Svenska Kullager Fabriken
Ohne Reibungsverluste

Ein großes Jubiläum steht bevor, und der Welt größter Kugellager-Hersteller scheint für die Festlichkeiten gut gerüstet: 2007 feiert Svenska Kullager Fabriken (SKF) sein einhundertjähriges Bestehen.

STOCKHOLM. Der Traditionskonzern SKF hat keine lupenreinen Weste, zählte er doch während des Zweiten Weltkriegs zu den Hauptlieferanten von Hitlers Rüstungsindustrie. Mit diesem dunklen Kapitel möchte man sich im Jubiläumsjahr nicht gern befassen, lieber verweist man auf die strahlende jüngere Geschichte. SKF gilt seit langem als eine der Perlen der schwedischen Industrie. Der Konzern mit gut fünf Milliarden Euro Umsatz produziert mit weltweit 40 000 Mitarbeitern in 22 Ländern Kugellager, Sensoren, Schmiersysteme und Dichtungen. Hinzu kommt noch eine Service-Sparte.

SKF ist ein Barometer für den Zustand der globalen Industrie: Da der Marktführer von der Automobil- bis zur Arznei- und Lebensmittelindustrie nahezu alle Branchen beliefert, geben die Quartalszahlen von SKF immer ein gutes Bild über die jeweiligen konjunkturellen Befindlichkeiten ab. Als das schwedische Unternehmen jüngst seine Zahlen für das dritte Quartal veröffentlichte, war es denn auch keine größere Überraschung, dass das US-Geschäft mit Kugellagern wegen der Krise bei den großen US- Automobilherstellern unter erheblichen Reibungsverlusten leidet. Und das wird, so schätzt SKF-Chef Tom Johnstone, im vierten Quartal noch deutlicher zu sehen sein.

An der Börse wurde diese negative Nachricht mit Gelassenheit aufgenommen. Zu Recht, denn SKF hat sich erfolgreich aus der Abhängigkeit von der anfälligen Automobilindustrie befreit. Die breite Positionierung von SKF ist ganz wesentlicher Verdienst von Johnstone. Kugellager werden überall gebraucht, wo sich etwas drehen muss, dachte sich der Schotte, der seit 30 Jahren im Unternehmen arbeitet, es seit drei Jahren verantwortlich leitet. Er stellte den Konzern auf Beine, die das Unternehmen relativ immun gegen die zyklischen Ausschläge einzelner Branchen machen. Diese Rechnung geht auf: Mit Ausnahme des Autozuliefergeschäfts in den USA laufen die übrigen Sparten derzeit wie geschmiert.

SKF hat sich von einem reinen Auftragsproduzenten zu einem „mitdenkenden“ Partner seiner Kunden entwickelt. Das Unternehmen unterhält vier eigene Ausbildungsstätten in Europa und Asien, in denen das eigene Personal, aber auch die Abnehmer ausgebildet werden. Außerdem entwickelt SKF immer häufiger Prototypen, um Kunden völlig neue Anwendungsgebiete der SKF-Produkte zu demonstrieren.

Diese Modernisierung und die engere Kooperation mit den Kunden ist auch möglich gewesen, weil sich SKF Know How zugekauft hat. Vor zwei Jahren übernahmen die Schweden den deutschen Schmiermittel-Spezialisten Vogel und konnten so den eigenen Kunden ein Komplettpaket von Lagern und deren Schmierung anbieten. Diese Strategie zahlt sich aus. Experten bescheinigen dem Unternehmen, dass es als Komplett-Anbieter eine absolute Ausnahmestellung hat. Und SKF macht weiter. Allein in diesem Jahr erwarb der Konzern sieben Unternehmen. Johnstone kündigte weitere Akquisitionen an: Ein Drittel des Umsatzwachstums soll über Zukäufe erzielt werden. Bislang hat der Traditionskonzern das meiste richtig gemacht – und kann beruhigt ins Jubiläumsjahr rollen.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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