Swatch-Gruppe verschärft Vorgaben für den Einzelhandel
Luxushersteller setzen Uhrenhändler unter Druck

Uhrenhändler und Juweliere müssen n mit schärferen Vorgaben einiger Hersteller rechnen. Vor allem die Produzenten von Luxusmarken wie etwa die Swatch- Gruppe, Richemont oder LVMH wachen neuerdings streng darüber, wie ihre Produkte ausgestellt werden und wie viel Geld in Service, Schulung und Werbung investiert wird.

ZÜRICH. Der Druck auf die Händler wird nach Ansicht der Uhrmacherverbände in Deutschland und der Schweiz dazu führen, dass zahlreiche kleinere Unternehmen aufgeben müssen.

Swatch-Chef Nick Hayek hat die Marschroute, die von diesem Juli an gelten soll, für die Edelmarken Omega und Longines so vorgegeben: Die Händler, die für diese Marken eine Konzession haben, müssen für Omega-Uhren fünf und für Longines-Produkte zehn Prozent höhere Preise zahlen. Dadurch sinkt ihre Gewinnspanne deutlich. Die Händler haben allerdings die Chance, um die Preiserhöhungen herum zu kommen. Voraussetzung ist, dass sie sich genau an Vorschriften halten, wie die Ware im Schaufenster platziert wird, wie dekoriert wird, wie das Lager geführt, das Personal geschult und Werbung gemacht wird.

Darüber hinaus können sie mit weiteren Nachlässen rechnen, wenn sie besonders viele wertvolle Stücke verkaufen. Hayek will eigene Swatch-Kontrolleure aussenden, die bei Überraschungsbesuchen überprüfen, ob seine Vorgaben eingehalten werden. Ähnliche Vorgaben gibt es bereits für Richemonts Edelmarke Cartier. Jaeger–Le Coultre und IWC haben die Gewinnspannen für die Händler bereits im vergangenen Jahr deutlich gekürzt.

Bei den Händlern, die bei Luxusuhren im Preissegment oberhalb von 5000 Euro immer öfter auch mit Rabattforderungen von Seiten der Kunden konfrontiert werden, stößt dieses Vorgehen der Hersteller auf Erbitterung. Sie rechneten bisher mit einer Bruttomarge von durchschnittlich an die 40 Prozent. Wehren können sie sich gegen die neuen Vorgaben nicht, wie ein Juwelier an der vornehmen Zürcher Bahnhofstraße einräumt: „Wir müssen die Kröte schlucken“ sagt er. Aus Sorge, es sich mit den Herstellern zu verderben, ist die Auskunfstfreude bei den Händlern zu diesem Thema gering.

Um so lauter klagen jedoch die Verbände. Bodo Jonda, Geschäftsführer des Zentralverbands Uhren in Deutschland, sieht einen immer schnelleren Konzentrationsprozess in seiner Branche. Er befürchtet, dass es sich insbesondere die Händler in kleineren Städten künftig nicht mehr leisten können, Luxusmarken anzubieten. Andre Hirschi vom Verband der Schweizerischen Uhrenfachgeschäfte, kritisiert die Kurzfristigkeit, mit der bei den Herstellern seiner Meinung nach vorgegangen wird. Wenn immer weniger Händler sich die Konzession für eine Luxusmarke leisten können, führe dies dazu, dass die Servicequalität sinkt. Es gebe nicht mehr genügend Betriebe, die so eine Uhr warten könnten. „Und auch eine Luxusuhr braucht mal eine Reparatur“, sagt der Uhrmacher, der selbst ein Geschäft mit Adresse im edlen Wintersportort Davos besitzt. Aber Hirschi sieht genauso wie Jonda die Grenzen seines Einflusses: „Wir können“, sagt er, „gegenüber den Herstellern nur Wünsche äußern.“

Das selbstbewusste Auftreten der Hersteller ist auch ein Ergebnis des Krisenjahrs, das Gruppen wie Richemont und die Swatch-Gruppe bewältigen mussten. Fast alle Hersteller hatten im Jahr 2003 unter Umsatzrückgängen bei ihren Luxusmarken zu leiden und arbeiteten deswegen Strategien aus, um den Absatz neu anzukurbeln. Um ihre Wachstumsziele zu sichern, setzen sie nun einerseits auf Verknappung ihrer Ware bei den Händlern und eröffnen andererseits eigene Geschäfte, in denen sie ihre Marken exklusiv anbieten. So verfügt die Swatch-Gruppe beispielsweise über so genannte Tourbillon-Läden, in denen sie ihre Luxusmarken Breguet und Blancpain anbietet. Die Uhrenhersteller orientieren sich dabei an der Vorgehensweise anderer Branchen. Bei Autoherstellern sind strenge Vorgaben an die Händler seit Jahren üblich.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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