Systemausrüster
Fujitsu stößt Festplattengeschäft ab

Der japanische Systemausrüster Fujitsu plant den Verkauf seiner Festplattensparte und hat Toshiba bereits als Interessenten gewonnen. Nach dem Ende des Gemeinschaftsunternehmens Fujitsu Siemens bedeutet das einen weiteren Schritt weg vom Hardwaregeschäft hin zu einer Stärkung des Geschäfts als Unternehmensdienstleister.

TOKIO. Fujitsu spreche mit mehreren Unternehmen über Optionen für das Festplattengeschäft, sagte ein Sprecher. Toshiba bestätigte, an den Gesprächen teilzunehmen. Das Unternehmen würde der weltgrößte Hersteller der besonders kleinen Festplatten sein, wie sie in Musikspielern oder Mini-Notebooks stecken. Die Wirtschaftszeitung „Nihon Keizai“ berichtet, als Kaufpreis seien knapp 300 Mio. Euro möglich. Fujitsu will demnach die Festplattensparte aufteilen und die inlädischen Produktionsstätten und das Geschäft mit großen Festplatten an einen weiteren Konkurrenten verkaufen.

Für Toshiba hätte der Zukauf Sinn, um die Wachstumssparte für Speichermedien zu stärken und in dem umkämpften Geschäft einen einheimischen Konkurrenten weniger am Hals zu haben. Vor allem das Vertriebsnetz und die zwei Produktionsstandorte in Südostasien könnten für Toshiba das Absatzvolumen deutlich hochtreiben und damit bessere Preise erlauebn. Der Markt für Festplatten mit einem Durchmesser unter 2,5 Zoll ist 2008 um 36 Prozent gewachsen.

Das Unternehmen nutzt derzeit seine Kompetenz als Chiphersteller, um verstärkt Festplatten ohne Platte zu vermarkten, so genannten Solid State Drives. Das sind Massenspeicher, die aus gebündelten Chips bestehen, wie sie auch in USB-Sticks oder Digitalkameras stecken. Diese Variante ist weniger fehleranfällig und deutlich Schneller als die herkömmlichen Magnetplatten. Toshiba erwartet jedoch nicht, dass diese Technik die bisherigen Festplatten in absehbarer Zeit ersetzt. „Beide Techniken werden parallel existieren.

Auch die Kapazität von Festplatten wird künftig weiter steigen. Für sehr große Datenmengen bleiben sie unersetzlich“, sagte Toshiba-Chef Atsutoshi Nishida im vergangenen Jahr. Nishidas Geschäftsphilosophie folgend engagiert sich Toshiba absichtlich immer auf ganz unterschiedlichen Feldern. Um die Schwankungen im Elektronikgeschäft auszugleichen, baut das Unternehmen beispielsweise auch Kernkraftwerke.

Fujitsu stärkt derzeit sein Image als Profi-Dienstleister, der nicht nur Server und Netzwerke aus einer Hand liefert, sondern diese dann auch wartet. Das Hardwaregeschäft will das Unternehmen bei derm derzeit laufenden Konzernumbau daher eher auf Netzwerkrechner und Großanwendungen ausrichten denn auf Konsumelektronik. Hauptzielgruppe für Fujitsu sind der öffentliche Sektor und Großinstitutionen. „Wir wollen uns um das gesamte Geschäft unserer Kunden kümmern, nicht nur um die IT-Systeme“, sagt Fujitsu-Präsident Kuniaki Nozoe.

Festplatten mit einem Format von 1,8 Zoll sind beispielsweise die Musikspeicher in Apples iPod der ersten Generation und stecken heute noch im iPod Classic. Sie kommen sämtlich von Toshiba. Der Mischkonzern hält im Segment von Festplatten unter 2,5 Zoll einen Marktanteil von 17 Prozent, wie der Branchendienst Techno Systems Research ausgerechnet hat. Fujitsu erreicht auf weitere 16 Prozent, die bisherigen Marktführer Hitachi und Western Digital je auf knapp 23 Prozent. Toshiba macht Jährlich einen Umsatz von rund 65 Mrd. Euro, Fujitsu liegt bei 45 Mrd. Für Fujitsu macht das Festplattengeschäft mit 330 Mrd. Yen etwa sechs Prozent des Umsatzes aus.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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