Tabakindustrie
Imperial Tobacco will Berliner Zigarettenwerk schließen

Der Zigarettenhersteller Imperial Tobacco verlagert seine Produktion. In Deutschland werden insgesamt 250 Mitarbeiter entlassen. Die Arbeitnehmervertreter sind von dem Schritt völlig überrumpelt.

DÜSSELDORF. Der britische Tabakkonzern Imperial Tobacco will sein Reemtsma-Zigarettenwerk in Berlin schließen und insgesamt rund 250 Arbeitsplätze in Deutschland streichen.

Die Produktion werde von Berlin in das modernere Werk in Hannover-Langenhagen und nach Polen verlagert, teilte der weltweit viertgrößte Zigarettenhersteller gestern mit. Zwar sollen bis Ende 2011 alle 420 Stellen in Berlin gestrichen werden. Jedoch würden 90 neue Arbeitsplätze in Langenhagen und 80 zusätzliche Stellen in Hamburg geschaffen. Insgesamt beschäftigt der Konzern, zu dessen Kernmarken "West" und "Davidoff" zählen, etwa 2 000 Mitarbeiter in Deutschland.

Die Werksschließung in Deutschland ist Teil eines europaweiten Restrukturierungsprogramms, das Imperial in den nächsten drei Jahren umsetzen will. Der Konzern kündigte gestern die Stilllegung von insgesamt sechs seiner weltweit 58 Werke und den Abbau von 2 440 der insgesamt rund 40 000 Arbeitsplätze an.

Die vier weltweit führenden Zigarettenkonzerne, neben Imperial sind das Japan sowie British American Tobacco und Philip Morris, produzieren bislang noch in Deutschland.

"Die Projekte sind ein notwendiger Schritt in der Integration von Imperial Tobacco und Altadis", sagte Konzernchef Gareth Davis. Die Briten hatten den spanisch-französischen Konkurrenten Altadis mit den Marken "Gauloises", "Gitanes" und "Fortuna" Anfang des Jahres für 12,6 Mrd. Euro übernommen. In Frankreich und Spanien sollen mit 1 060 beziehungsweise 830 Mitarbeitern die meisten Arbeitsplätze wegfallen.

Durch diese Maßnahmen will der Zigarettenhersteller Synergien von 300 Mill. Euro jährlich bis zum Ende des Geschäftsjahrs 2010 erzielen. Bis 2012 sollen die Einsparungen auf 400 Mill. Euro jährlich steigen. Das Unternehmen rechnet mit einmaligen Kosten für das Restrukturierungsprogramm in Höhe von 600 Mill. Euro.

"Vollkommen überrascht", dass in Deutschland ein Werk stillgelegt werden soll, war gestern Herbert Grimberg, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender und Arbeitnehmervertreter bei der deutschen Imperial-Tochter Reemtsma in Hamburg. Seiner Meinung nach soll die Belegschaft in Berlin einen politischen Preis für die Altadis-Übernahme zahlen. Die Konzernleitung könne die Schließungen in Spanien und Frankreich wohl besser begründen, wenn auch noch andere Standorte betroffen seien. Das weitere Vorgehen werde derzeit mit dem Berliner Betriebsrat abgestimmt.

Schon vor fünf Jahren stand das Zigarettenwerk kurz vor der Schließung. Nach der Intervention von Politikern kurz vor der damaligen Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus blieben zunächst 200 der einst 600 Arbeitsplätze erhalten. Inzwischen wurde die Zahl der Beschäftigten wieder kräftig erhöht. Der Konsum von versteuerten Zigaretten geht in Deutschland wegen der hohen Tabaksteuer seit Jahren zurück. Doch das Berliner Werk war davon kaum betroffen, denn es produzierte bisher jährlich etwa 17 Mrd. Zigaretten auch für andere Märkte.

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