Tabubruch
Altbierbrauerei Diebels will Pils herstellen

Während viele deutsche Brauereien ihre Absatzverluste beim Bier mit trendigen Biermischgetränken oder schicken Discobieren à la „Beck’s Gold“ stoppen wollen, leistet sich die niederrheinische Altbier-Brauerei Diebels einen deftigen Tabubruch: Ab Februar 2005 produziert sie auch Pils.

HB DÜSSELDORF. Diebels-Geschäftsführer Klaus Westerhaus lobte bei der Vorstellung des Projektes am Freitag in Düsseldorf die Innovationskraft seines Unternehmens, während unter Journalisten und anderen Präsentationsteilnehmern im Düsseldorfer Wirtschaftsclub ungläubiges Staunen ob des Frevels des einstigen Altbierpuristen herrschte. Größeres Entsetzen hätte wohl nur der Kauf einer Kölschmarke auslösen können. Es sei wirklich „keine Schnapsidee“ betonte Westerhaus, der ganz der Marktforschung vertraut: In einer repräsentativen Umfrage hätten sich viele Diebels-Konsumenten als heimliche Pilstrinker geoutet.

Die Produktion von Diebels Pils war vor fast 30 Jahren eingestellt worden, weil sich die damalige Inhaberfamilie gänzlich als Altbierbrauer profilieren wollte. Der Erfolg in einem zeitweise boomenden Altbiermarkt gab Ex-Firmenchef Paul Bösken-Diebels zunächst Recht. Diebels wurde sogar zur einzigen bundesweit vertriebenen Altbiermarke. Doch der Brauerei-Absatz des Marktführers ist in den letzten Jahren um rund ein Drittel auf nunmehr etwa 1,2 Millionen Hektoliter jährlich eingebrochen. Und der Branchentrend zeigt weiter abwärts. Mit der Produktion von Pils – ein Sakrileg am Niederrhein – will der heutige Eigentümer, der belgisch-brasilianische Brauriese Inbev, nun offenbar retten, was noch zu retten ist.

Diebels-Marketingleiter Andree Lenatz will in der Erweiterung der Produktpalette „ein Riesenpotenzial“ entdeckt haben – auch wenn sich Diebels zunächst nur auf den Kernmarkt Nordrhein-Westfalen konzentriert. Tatsächlich ist das Absatzpotenzial zwischen Rhein und Weser genau so groß wie beispielsweise in den gesamten Niederlanden.

Mit einem Verkaufspreis zwischen zehn und elf Euro pro Kasten im Getränkeabholmarkt nimmt Diebels den Preiskampf mit Pils-Konkurrenten wie Bitburger, Veltins und Krombacher auf. Veltins-Geschäftsführer Volker Kuhl bleibt betont gelassen. Der Weltmarktführer Inbev habe trotz Markenvielfalt die speziellen regionalen Bedürfnisse von Gastronomie und Handel nicht adäquat bedienen können, lästert er. Die Krombacher Brauerei erklärt auf Anfrage, sie werde alles daran setzen, die Marktführerschaft in NRW nicht abgeben zu müssen.

Branchenexperten räumen dem radikalen Meinungswandel am Niederrhein durchaus Erfolgsaussichten ein. „Diebels ist zwar eine typische Altbiermarke, aber die Markenbekanntheit eröffnet dem Unternehmen durchaus gewisse Chancen“, sagt Herbert Latz-Weber, Herausgeber des Getränke-Newsletter-Online.

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