Tabula rasa
Schnitte in der Bilanz von Daimler-Chrysler erwartet

Nachdem Daimler-Manager Dieter Zetsche erfolgreich beim US-Ableger Chrysler aufgeräumt hat, soll er nun den gesamten Konzern wieder auf Kurs bringen. Nach Einschätzung von Experten wird Zetsche versuchen, Altlasten aus der Ära Schrempp möglichst gleich zu Anfang in der Bilanz zu entsorgen.

HB/hz FRANKFURT/M. Insider erwarten indes nicht, dass Zetsche mit einem spektakulären Paukenschlag wie einstmals sein Vorgänger Jürgen Schrempp, an den Start gehen wird. Als der scheidende Daimler-Chef 1995 den Chefsessel übernahm, schob er alle Belastungen in die laufende Bilanz und wies einen Rekordverlust von 5,7 Mrd. Mark aus.

Denn der Mann mit dem Walroßbart hat deutlich weniger Spielraum als Schrempp ihn einstmals hatte. „Die Nutzfahrzeugsparte ist 2006 wahrscheinlich noch gut unterwegs und massive Rückstellungen für Chrysler würden Zetsche selbst in ein schlechtes Licht rücken“, argumentiert Rolf Woller, Auto-Analyst von der Hypo-Vereinsbank. Einen „Kracher“ könnte Zetsche deshalb nur bei der kriselnden Mercedes-Sparte landen. Da hat allerdings Zetsches unterlegener Widersacher um die Konzernspitze, Mercedes-Chef Eckhard Cordes, bereits ein massives Restrukturierungsprogramm namens Core mitsamt hohen Rückstellungen für Qualitätsmaßnahmen in die Wege geleitet. Zetsche wird deshalb nach Ansicht von Stephan Droxner von der Landesbank Baden-Württemberg die weitere Entwicklung abwarten. Der sich anbahnende neuerliche Stellenabbau bei Mercedes könnte jedoch zu neuen Rückstellungen führen.

Die aussichtsreichste Möglichkeit, mit einem harten Schnitt bilanziell Tabula rasa zu machen, bietet sich nach Einschätzung von Experten bei der Kleinwagentochter Smart. Auch für Smart hat Cordes ein massives Sparprogramm aufgelegt, dass Smart bis 2007 aus der Verlustzone führen soll. Doch viele Analysten zweifeln, ob sich mit der Marke überhaupt Geld verdienen lässt. Die Experten der WestLB erwarten auch für das Jahr 2007 einen Verlust von 156 Mill. Euro.

„Bei Smart könnte es unter Zetsche zu einer Radikallösung kommen“, glaubt Autoanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Sollte Zetsche bei Smart den harten Schnitt wagen und die Marke komplett einstellen, wären Rückstellungen in Milliardenhöhe fällig. Nach Darstellung von Cordes hatte Daimler auch eine Schließung von Smart durchgerechnet. Das Ergebnis sei gewesen, dass die geplante Sanierung „bei weitem die beste unter dem Blickwinkel der Aktionäre“ gewesen sei. In Konzernkreisen wird von bis zu 5 Mrd. Euro gesprochen, die ein sofortiger Exit bei der kränkelnden Tochter kosten würde.

Möglich ist nach Ansicht vieler Branchenkenner jedoch auch, dass Zetsche den Erfolg der angeschobenen Sanierungsarbeiten zunächst abwartet. Schließlich müsse sich Zetsche keine großen Sorgen machen, dass er im kommenden Jahr gleich mit einem Gewinneinbruch starten werde. Die nachhaltigen Effekte des Core-Programms bei Mercedes würden sich erst 2006 einstellen und dann zu einer erheblichen Ergebnisverbesserung führen.

Läuft alles nach Plan, fährt der neue Herr der Sterne in den nächsten Jahren deutlich höhere Gewinne ein. Läuft etwas schief, etwa bei Smart, kann er immer noch ohne Gesichtsverlust zur Notbremsung ansetzen.

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