Tag sieben im Porsche-Prozess
Zwei weitere Zeugen entlasten Wiedeking und Härter

Zwei weitere Zeugen haben im Porsche-Prozess den früheren Chef Wendelin Wiedeking und seinen Finanzvorstand Holger Härter entlastet. Ein Aufsichtsrats-Protokollant gab Inneneinsichten in den Konzern.

Im Porsche-Prozess gegen den früheren Firmenchef Wendelin Wiedeking und seinen Finanzvorstand Holger Härter deutet sich eine Verkürzung des Verfahrens an. Richter Frank Maurer kündigte an, dass er versuchen werde, jetzt mehrere Zeugen auf einen Tag zu verlegen, da sich eine Verkürzung der Befragungszeit abzeichne. Zudem will Maurer die Aufsichtsräte, die ihr Zeugnisverweigerungsrecht ausüben wollen – wie etwa Wolfgang Porsche oder Ferdinand Piëch – erst gar nicht mehr laden. „Ich will hier niemanden vorladen, nur damit er sagt, dass er nichts sagt“, betonte Maurer am Ende des siebten Verhandlungstages.

Zuvor hatten zwei weitere Zeugen die Angeklagten entlastet. Der Prozesstag warf noch einmal ein Schlaglicht auf eine zentrale Aufsichtsratssitzung des Konzerns am 23. Juli 2008. Damals ermächtigte der Aufsichtsrat den Vorstand, gegebenenfalls bis zu 75 Prozent der VW-Anteile zu übernehmen. Dieser Beschluss blieb damals der Öffentlichkeit verborgen, da es keinen entsprechenden Beschluss des Vorstandes gab. Pflichtmitteilungen für die Börse müssen erst gemacht werden, wenn beide – Vorstand und Aufsichtsrat – eine Sache förmlich beschlossen haben.

Die Befragung aller Zeugen ergab bislang, dass 2008 viele Szenarien durchgespielt wurden. Der Vorstand habe aber den Vorratsbeschluss des Aufsichtsrats zur Dreiviertel-Übernahme von VW im Sommer 2008 nicht umsetzen wollen und wegen vieler Hindernisse auch nicht können, sagte der Anwalt Thomas Bücker vor dem Stuttgart Landgericht.

Bücker war damals externer Rechtsberater von Porsche. „Es war eine schrittweise Annäherung und wurde von Mal zu Mal entschieden“, sagte Berater Bücker. Die Anklage wirft den Managern vor, einen Beschluss zur VW-Übernahme lange verschleiert und dadurch den Markt manipuliert zu haben. Bei Turbulenzen des VW-Kurses im Jahr 2008 verloren Anleger Milliardenbeträge. Wiedeking und Härter bestreiten die Vorwürfe.

„Es gab keinen Masterplan X“, sagte auch der zweite an diesem Tag vernommene Zeuge, Gerhard Schäfer, direkter Zuarbeiter von Wiedeking und für die Aufsichtsratsprotokolle und Verbindungen in die Politik zuständig.

Der Porsche-Manager, der 2011 ausschied, gab bei seinen Aussagen Innenansichten der damaligen Führungsetage. „Das war Ergebnis dieser schrecklichen Hektik, die da einer verbreitet hat in allen Fugen und Ritzen der Firma“, berichtet Schäfer über sein intensives Arbeitsleben bei Porsche.

„Der Dampf kam von Herrn Wiedeking.“ Der Chef habe immer up-to-date sein wollen, meist immer einen Schritt schneller als die anderen. Wiedeking habe schon angerufen, bevor er sein Memo an ihn schicken konnte. Das galt besonders bei der Frage, ob das VW-Gesetz fallen würde, das dem Land Niedersachsen mit 20 Prozent der Anteile an VW eine Sperrminorität sicherte und damit die Übernahme erschwerte.

Die Chemie zwischen ihm und seinem Chef sei ganz gut gewesen. Dass sie sich duzten, bedeute keine Freundschaft. „Das war ein westfälisches Du“, sagte Schäfer. Wiedeking habe sich immer für die Dinge interessiert. Vieles sei auf Zuruf geschehen. „Hausmitteilungen gab es bei uns nicht“, sagte Schäfer.

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„Die Diskussionskultur war sehr schwach ausgeprägt“

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