Tagung des VW-Aufsichtsrates
Hängepartie für Pischetsrieder geht weiter

VW-Vorstandschef Bernd Pischetsrieder muss weiter auf eine Verlängerung seines Vertrags warten. Auf der zweitägigen Klausurtagung des Aufsichtsrats, die am Mittwoch begann, soll die Vertragsverlängerung nicht erörtert werden. Im Mittelpunkt stehen andere Fragen.

HB WOLFSBURG. Dies habe das Kontrollgremium vor Beginn der Sitzung „einvernehmlich“ beschlossen, teilte Volkswagen am Abend in Wolfsburg mit. Der Aufsichtsrat werde bis Donnerstag „ausschließlich“ strategische Fragen des Konzerns behandeln. Dabei geht es vor allem um die Sanierung der kriselnden Traditionsmarke VW.

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) als Spitzenvertreter der beiden VW-Hauptaktionäre sind für ein Weitermachen mit Pischetsrieder. Sie wollten ursprünglich auf der Klausurtagung eine Vertragsverlängerung durchsetzen. Die Arbeitnehmervertreter aber wollen, dass zunächst das Sanierungskonzept für die ertragsschwache Marke VW auf den Tisch kommt. Gesamtbetriebsratschef und Aufsichtsrat Bernd Osterloh hatte sich vor kurzem gegen einen „Freibrief“ für Pischetsrieder ausgesprochen.

In Aufsichtsratskreisen hieß es, es werde nun angestrebt, dass die Vertragsverlängerung für Pischetsrieder bis zur VW-Hauptversammlung am 3. Mai erreicht werden soll. Der 58 Jahre alte Pischetsrieder steht seit 2002 an der VW-Spitze. Sein Vertrag läuft zwar noch bis zum Frühjahr 2007 – den üblichen Branchen-Gepflogenheiten gemäß wird aber ein Jahr vor Auslaufen des Vertrags entschieden, ob dieser verlängert wird.

VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hatte die Verlängerung des Vertrags im März als „offene Frage“ bezeichnet und von einer starken Opposition der Arbeitnehmer-Seite im Aufsichtsrat gesprochen. Dies war in der Branche als „Demontage“ Pischetsrieders durch Piëch gewertet worden.

Nach Ansicht von Firmenkennern haben die Arbeitnehmervertreter ein Interesse daran, Pischetsrieder im Ungewissen zu lassen. So könnte bei bevorstehenden Verhandlungen über eine Sanierung möglicherweise Druck auf den Manager ausgeübt werden. Die nächste planmäßige Aufsichtsratssitzung mit der Chance zur Vertragsverlängerung findet Anfang Mai vor der Hauptversammlung statt.

Die Konzernspitze um Pischetsrieder hatte bereits im Februar ein tief greifendes Restrukturierungsprogramm für die Marke VW angekündigt, die vergleichsweise teuer produziert wird und Überkapazitäten hat. Von dem Programm könnten rund 20 000 Beschäftigte betroffen sein, hieß es. Einzelheiten des Sanierungsprogramms sind bisher nicht bekannt. Spekulationen gibt es etwa über längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich, die Schließung des VW-Werks in Brüssel und die Auslagerung von Komponentenbereichen.

Aufsichtsratschef Piëch könnte wegen seiner umstrittenen Rolle Gegenwind auf der Hauptversammlung am 3. Mai bekommen. Die Investmentgesellschaften DWS sowie Deka beantragten eine Einzelabstimmung zur Entlastung der Aufsichtsräte. Die Deka beantragte für diesen Fall, Piëch nicht zu entlasten. Dessen öffentlich geäußerten Zweifel an einer Vertragsverlängerung von Pischetsrieder seien eine „beabsichtigte Schwächung“ des Vorstandsvorsitzenden und seiner Sanierungspolitik.

Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig in der VW-Affäre um Schmiergelder und Lustreisen auf Firmenkosten am Mittwoch erstmals Pischetsrieder als Zeugen vernommen. Bei der Befragung sei es vor allem um die Verantwortlichkeiten des früheren VW- Arbeitsdirektors Peter Hartz und die Kostenstelle „1860“ gegangen, teilte die Behörde mit. Pischetsrieder habe betont, dass eine Kontrolle des genannten Kontos durch ihn nicht stattgefunden habe. Dafür sei Hartz zuständig und verantwortlich gewesen. Über das Konto „1860“ sollen laut Staatsanwaltschaft privat veranlasste Kosten von Veranstaltungen über VW abgerechnet worden sein.

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