Takata und defekte Airbags

Täglich 12.000 Euro Strafe

Der japanischen Autozulieferer Takata hat fehlerhafte Airbags hergestellt. Der Defekt kostete in den USA fünf Menschen das Leben, mehr als 100 wurden verletzt. Nun ziehen die US-Behörden Konsequenzen.
Update: 21.02.2015 - 01:36 Uhr Kommentieren
Gefährliche Airbags: Mindestens fünf Menschen starben, weil in ihren Wagen Luftkissen von Takata eingebaut waren. Quelle: ap
Crashtest

Gefährliche Airbags: Mindestens fünf Menschen starben, weil in ihren Wagen Luftkissen von Takata eingebaut waren.

(Foto: ap)

RichmondDie US-Behörden ziehen den japanischen Autozulieferer Takata wegen eines Konflikts um defekte Airbags zur Rechenschaft. Das Unternehmen, das weltweit Millionen Fahrzeug-Rückrufe verursacht hat, muss täglich 14 000 US-Dollar (rund 12 380 Euro) Strafe zahlen, wenn es sich weiter weigert, beim Krisen-Management mit den Aufsehern zusammenzuarbeiten. „Takatas Versagen, vollumfänglich bei unseren Ermittlungen zu kooperieren, ist nicht akzeptabel und wird nicht toleriert“, sagte Verkehrsminister Anthony Foxx am Freitag.

Die Takata-Airbags können wegen mangelhafter Verarbeitung platzen - dabei kommt es zu einer Explosion, die Teile der Metallverkleidung durch den Fahrzeugraum schleudert und zu schweren Verletzungen führen kann. Anwälte gehen davon aus, dass durch den Defekt in den USA mindestens fünf Menschen getötet und mehr als 100 verletzt wurden. Takata hatte sich mit der Verkehrsaufsicht NHTSA eine Machtprobe geleistet, indem das Unternehmen die Forderung nach einem landesweiten Rückruf aller potenziell betroffenen Wagen verweigerte.

Was die Hersteller pro Auto verdienen – oder verlieren
Sportlich und erfolgreich
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Ford (Europa) – minus 891 Euro

Der US-Autobauer Ford hat in seinem Europageschäft (im Bild der Ford Fiesta ST) mit hohen Verlusten zu kämpfen. Pro verkauftem Neuwagen aus Europa machte Ford im Gesamtjahr 2013 einen Verlust von 891 Euro – so viel wie kein anderer Massenhersteller. Die Ebit-Marge (Gewinn vor Zinsen und Steuern) lag bei minus 5,8 Prozent.

Das CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen unter Professor Ferdinand Dudenhöffer hat untersucht, wie profitabel die Automobilkonzerne sind. Berechnet wurden dabei die Gewinne vor Zinsen und Steuern (Ebit) für die reine Automobilsparte. Zulieferaktivitäten oder andere Geschäftsfelder wie Motorräder, Bank- und Immobiliengeschäfte blieben dabei unberücksichtigt.

Produktion Opel Adam
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GM Europa (Opel, Vauxhall) – minus 607 Euro

In seinem Europageschäft hat General Motors (GM) nach wie vor Probleme: Doch die Marken Opel (im Bild der Adam) und Vauxhall laufen trotz roter Zahlen wieder deutlich besser. Im Gesamtjahr fällt das Minus mit 607 Euro allerdings deutlich geringer aus als im Vorjahr (1.341 Euro). Die Ebit-Marge pro Fahrzeug liegt bei minus 4,2 Prozent.

A customer walks past a Peugeot car at a dealership in Marseille
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Peugeot-Citroën (PSA) – minus 370 Euro

Erstmals in 118 Jahren Unternehmensgeschichte hat die Familie Peugeot ihre Macht abgegeben. Neuer Partner der Franzosen: der chinesische Autoriese Dongfeng. Eindämmen konnte auch Peugeot-Citroën seinen Verlust pro verkauftem Fahrzeug. Nach 510 Euro im vergangenen Jahr beträgt das Minus nun 370 Euro. Die Ebit-Marge liegt bei minus 2,9 Prozent.

82nd Geneva International Motor Show
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Seat – minus 331 Euro

Die VW-Tochter dämmt ihren Verlust pro verkauftem Auto ebenfalls ein. Im Jahr 2013 beträgt das Minus bei Seat (im Bild der Ibiza SC) noch 331 Euro – nach durchschnittlich 364 Euro in 2012. Die Ebit-Marge liegt bei minus 2,4 Prozent.

An employee inspects a Renault Clio 3 at the Renault automobile factory in Flins
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Renault – minus 283 Euro

Die Franzosen machen mit jedem verkauftem Auto durchschnittlich 283 Euro Verlust. Doch runderneuerte Massenmodelle wie der Clio (im Bild) oder der Twingo sollen auch die Franzosen wieder in die schwarzen Zahlen bringen. Im Jahr 2012 lag die Ebit-Marge noch bei minus 1,9 Prozent.

A model poses beside a Fiat 500 GQ displayed on the company's booth during the first media day of the Geneva Auto Show at the Palexpo in Geneva
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Fiat – minus 224 Euro

Die Italiener leiden besonders unter der schwachen Nachfrage in Europa, die durchschnittlichen Verluste pro Fahrzeug legen weiter zu auf 224 Euro (2012: 77 Euro). Die Ebit-Marge liegt bei minus 1,5 Prozent. Rechnet man die Zuliefersparte und Ferrari-Maserati mit ein, kann Fiat (im Bild der Fiat 500 GQ) im Gesamtjahr aber ein positives Ergebnis erzielen.

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Skoda – plus 567 Euro

Kein Autohersteller hat in absoluten Zahlen so viel Profit pro Auto eingebüßt wie die osteuropäische VW-Tochter. Mit einem Gewinn von durchschnittlich 567 Euro pro verkauftem Wagen landen Skoda aber immer noch locker in den schwarzen Zahlen. Die Ebit-Marge von Skoda (im Bild der Skoda Octavia) ist mit 5,1 Prozent sehr ordentlich.

In einer Stellungnahme wies Takata die Vorwürfe zurück. „Wir sind sehr überrascht und enttäuscht“, teilte das Unternehmen mit. Takata widerspricht der Darstellung der US-Regulierer, nicht ausreichend kooperiert zu haben. „Wir haben fast 2,5 Millionen Seiten an Dokumenten bereitgestellt.“ Vertreter des Unternehmens hätten regelmäßig an Treffen mit der NHTSA teilgenommen und die Aufsichtsbehörde gut informiert. Allerdings stützt sich Takata weiter auf seine Argumente gegen einen landesweiten Rückruf.

Das Unternehmen macht das heiße und feuchte Klima in Bundesstaaten wie Kalifornien für das unvermittelte Auslösen der problematischen Airbags verantwortlich. Es will die Rückrufe zunächst auf diese Regionen beschränken. Angesichts der begrenzten Verfügbarkeit von Ersatzteilen gibt es durchaus Experten, die den Ansatz gutheißen. Dadurch würden zunächst die Gegenden an die Reihe kommen, in denen sich die Unfälle ballen. Takata hat nicht die Produktionskapazität, die nötigen Teile für einen Massen-Rückruf rasch zu liefern.

Für Takata kommen die Strafen zu einem wirtschaftlich kritischen Zeitpunkt. Wegen des Airbags-Desasters und der damit zusammenhängenden Rückrufe macht der Konzern bereits Millionenverluste und rechnet damit, dass diese noch zunehmen. Allerdings drohen dem Unternehmen noch viel drakonischere Konsequenzen. Denn es laufen in den USA bereits Ermittlungen, ob Takata Risiken gezielt verschleiert haben könnte.

Die Vorfälle werfen aber auch ein schlechtes Licht auf die Rückrufpraxis in den USA. So ist es für die Behörden und Autohersteller häufig schwierig, die aktuellen Fahrzeughalter überhaupt ausfindig zu machen. Die Aufseher drängen den US-Kongress deshalb zu einer Gesetzesänderung, die Gebrauchtwagenhändler und Autovermieter stärker in die Pflicht nimmt. Bislang können Gebrauchtwagen, die von Rückrufen betroffen sind, einfach unrepariert weiterverkauft werden, ohne dass dies rechtliche Konsequenzen hätte.

  • dpa
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