Talsohle noch nicht erreicht
Zementindustrie bröselt das Geschäft weiter weg

Bei der deutschen Zementindustrie läuft noch lange nicht alles rund. Die Branche rechnet im kommenden Jahr mit weiteren Rückgängen des Inlandsverbrauchs an Zement. „Wir können nicht davon ausgehen, dass wir die Talsohle schon erreicht haben“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der deutschen Zementindustrie, Michael Weißenborn, am Montag in Berlin.

HB BERLIN. Zwar werde der inländische Zementverbrauch im laufenden Jahr um rund zwei Prozent abnehmen und damit etwas weniger als ursprünglich befürchtet. Im kommenden Jahr werde aber erneut ein Minus von rund drei Prozent anfallen. Angesichts des Verfalls der Zementpreise in Verbindung mit fortbestehenden Überkapazitäten werde auch die Konsolidierung in der Branche durch Übernahmen und Kooperationen weiter gehen. „Da wird sich in nächster Zeit noch etwas tun“, sagte Weißenborn. Er beklagte vielfältige Erschwernisse für die Branche durch die Politik. Wenn das „Lkw-Maut-Desaster“ auch im nächsten Jahr nicht gelöst werde, drohten wegen der dadurch bedingten Finanzprobleme Ausfälle bei Infrastrukturinvestitionen zu Lasten der Firmen.

Die deutsche Zementindustrie hängt eng an der Entwicklung der deutschen Bauwirtschaft, die im achten Rezessionsjahr in Folge steht. Der Bundesverband der Branche (BDZ) umfasst 33 Mitgliedsunternehmen mit zuletzt knapp 7700 Beschäftigten. In den letzten zehn Jahren baute die Branche rund 40 % ihrer Arbeitsplätze ab. Der inländische Zementverbrauch dürfte nach Verbandsangaben 2003 rund 28,1 Mill. Tonnen erreichen.

Ungeachtet des fortgesetzten Verbrauchsrückgangs erhöhten die BDZ-Mitgliedsunternehmen in den ersten zehn Monaten 2003 ihre Versandmenge um 3,7 %. Die Gründe waren laut Weißenborn die um fast 30 % rückläufigen Importe - eine Folge der nachgebenden Preise - sowie höhere Exportzahlen. Der überwiegende Teil der Firmen operiere aber „in den roten Zahlen“. Die vorausgesagte Entwicklung beinhaltet nach Angaben der BDZ-Managers eine Reihe von Unsicherheiten. So könnte der aktuelle Aufschwung bei den Baugenehmigungen für Eigenheime ein Vorzieheffekt aufgrund der Diskussion um die Abschaffung der Eigenheimzulage sein. Diese Nachfrage werde dann aber im nächsten oder übernächsten Jahr wieder fehlen.

Skeptisch äußerte sich Weißenborn, ob sich die von führenden Herstellern geplanten Preiserhöhungen am Markt durchsetzen ließen. Das müsse im Moment offen bleiben. Nachdrücklich plädierte er dafür, bei Bau- und Verkehrsinvestitionen des Staates stärker auf private Betreibermodelle zu setzen.

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