Tanker geentert: Attacke im Golf von Aden

Tanker geentert
Attacke im Golf von Aden

Trotz verstärkter Präsenz der Anti-Piraten-Armada gelang es somalischen Piraten am Donnerstag, im Golf von Aden einen Flüssiggas-Tanker in ihre Gewalt zu bringen. Nach offiziellen Angaben habe es der unter der Flagge der Bahamas laufende Frachter versäumt, sich bei der von der EU geführten Anti-Piraten-Mission "Atalanta" anzumelden.

HB NAIROBI/HAMBURG. Erst vor wenigen Tagen standen die Zeichen auf Entspannung: Die Piratenangriffe auf Handelsschiffe im Golf von Aden und vor der somalischen Küste nähmen spürbar ab, hieß es in Marine- und Geheimdienstkreisen. Die internationale Anti-Piraten-Armada, an der sich auch die Bundeswehr beteiligt, würde die Seeräuber zusehends in die Schranken weisen. Doch der Optimismus ist jäh verflogen.

Somalische Piraten kaperten am Donnerstag im Golf von Aden den Flüssiggastanker "Longchamp" - obwohl das Schiff in einem international geschützten Konvoi fuhr. Das bestätigten ein Mitarbeiter der Hamburger Reederei Bernhard Schulte und ein Sprecher des Hamburger Schiffsfinanzierers MPC, der an dem Tanker beteiligt ist. Das Schiff transportiert Flüssiggas und wurde von Bernhard Schulte an eine liberianische Reederei vermietet.

Die Piraten hätten den rund 3 500 Tonnen großen Tanker in den frühen Morgenstunden in ihre Gewalt gebracht. Der Kapitän des gekaperten Tankers habe das Angebot der indischen Marine abgelehnt, an Bord zu kommen und die "MV Longchamp" gewaltsam zu befreien. Ein Mitarbeiter des Internationalen Schifffahrtsbüros (IMB) in Kuala Lumpur ergänzte, die Piraten hätten mehrere Schüsse auf das Schiff abgegeben, bevor sie es enterten. Der Kapitän des Schiffes habe in einem kurzen Telefonat erklärt, alle 13 Besatzungsmitglieder, zwölf Filipinos und ein Indonesier, seien wohlauf.

Der Golf von Aden verbindet Asien über das Rote Meer und den Suez Kanal mit dem Mittelmeer und ist damit eine der wichtigsten Schifffahrtsstraßen der Welt. Jedes Jahr führen rund 25 000 Handelsschiffe durch die gefährdete Wasserstraße am Horn von Afrika. Dem Welthandel drohen empfindliche Störungen, sollte es den internationalen Marineeinheiten nicht gelingen, die Piraterie vor Somalias Küste wirksam eindämmen. Denn die Welt ist heute vom Seegüterverkehr so abhängig wie nie zuvor. Der Transport von etwa 92 Prozent der global gehandelten Waren erfolgt auf dem Wasserweg.

Die großen Reedereien, angeführt vom dänischen Giganten Maersk, schicken bereits ihre langsameren Schiffe auf den sehr viel längeren Kurs rund ums Kap der Guten Hoffnung - was die Transportkosten allerdings enorm in die Höhe treibt. Der Umweg von fast drei Wochen kostet bei einem Supertanker rund eine Mio. Dollar. Inzwischen müssen auch Reeder, die die kürzeren Risikostrecken fahren, mit steigenden Kosten rechnen: Die Versicherungsprämien explodieren.

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