
MÜNCHEN. Dienstagabend erklärte EADS North America, für den Bau der 179 Maschinen ein neues Angebot vorzulegen. Das ist die Voraussetzung für die vom Pentagon versprochene Fristverlängerung von 60 Tagen, die EADS Luft bis zum 9. Juli gibt. Bis dahin brauchen die Europäer einen neuen Partner in der US-Industrie.Die Führungsspitze von EADS Nordamerika gab sich bei der Bekanntgabe der Bewerbung äußerst selbstbewusst. Vorstandschef Ralph Cosby sagte: "Wenn man das Beste hat, muss man es anbieten!"
Anders als bei seiner bisherigen Offerte wird EADS dieses Mal als Generalunternehmer ins Rennen gehen. Bislang hatten sich die Europäer mit dem US-Rüstungskonzern Northrop Grumman verbündet, doch beide Partner zogen Anfang März ihr Angebot zurück. Die Europäer fühlten sich in der mittlerweile dritten Neuausschreibung des Projekts gegenüber dem Erzrivalen Boeing benachteiligt, weil der Preis das ausschlaggebende Kriterium sein sollte. Daraufhin hatten Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy und die Bundesregierung bei der US-Regierung auf eine neue Chance für EADS gedrängt.
Der Auftrag ist zurzeit der mit Abstand größte Rüstungsauftrag der Welt. Die US-Luftwaffe will in einem ersten Schritt 179 ihrer 533 Tankflugzeuge ersetzen, die Amerikas Kampfflugzeuge seit Jahrezehnten rund um den Globus in der Luft mit Treibstoff versorgen. Allein die jetzt ausgeschriebene Tranche hat einen Auftragswert von 35 Mrd. Euro. Werden im Laufe der kommenden Jahre alle Tankflugzeuge ersetzt, hat der Auftrag einen potenziellen Wert von 100 Mrd. Euro. "Das ist ein Jahrhundertdeal", schwärmen Lobbyisten beider Seiten in Washington.
Das Beste, wie Cosby es nennt, ist das EADS-Tankflugzeug KC 45, das auf dem Airbus A 330 basiert. Von einer Variante dieses Tankflugzeugs wurden bereits 28 Exemplare produziert. Bei allen fünf Ausschreibungen, die es gab, habe man gegen Boeing gewonnen, erzählt Cosby stolz.
Entsprechend rau geht es zur Sache. 2001 verlor Boeing nach Korruptionsvorwürfen den sicher geglaubten Auftrag. 2004 stieg EADS gemeinsam mit Northrop Grumman in das Rennen ein und erhielt im März 2007 tatsächlich den Zuschlag. Doch die Boeing-Lobbyisten liefen Sturm, die US-Rechnungsbehörde kassierte den Deal wegen Verfahrensfehlern und setzte eine Neuausschreibung durch. Die Anforderungen sind dieses Mal so formuliert, dass die ältere Boeing 767 einen klaren Vorteil gegen die modernere - und damit teurere - A330-200 von Airbus hat.