Tankerflugzeuge
EADS droht Pentagon mit Ausstieg

Der europäische Luftfahrtkonzern EADS und sein Partner Northrop Grumman ziehen im Poker um den milliardenschweren US-Tanker-Auftrag ihre letzte Karte: In einem Brief an das US-Verteidigungsministerium droht Northrop-Chef Wes Bush damit, dass sich das Konsortium nicht an der finalen Ausschreibung für die Tankflugzeuge beteiligen werde, wenn die Bedingungen nicht verändert würden.
  • 1

PARIS/MÜNCHEN. Die bisher bekannten Eckpunkte für den Bieterwettbewerb bevorteilten klar den Rivalen Boeing. So enthalte der Entwurf für die Ausschreibung "eine klare Präferenz für ein kleines Flugzeug mit begrenzter Vielseitigkeit", schreibt Bush. Northrop hat sich mit der EADS-Tochter Airbus verbündet, beide wollen einen Tanker auf Basis des Langstreckenflugzeugs A330 ins Rennen schicken. Boeing dürfte die ältere und kleinere B767 als Tanker anbieten. Diese ist deutlich billiger als der Airbus.

Ferner würden den Unternehmen "unakzeptable finanzielle Lasten" aufgebürdet", bemängelt Bush. Laut Industriekreisen spielt er damit auf den vom Pentagon gewünschten Festpreisvertrag an. Mit einem solchen Vertrag hat EADS beim europäischen Militärtransporter A400M sehr schlechte Erfahrungen gemacht.

Das Pentagon reagiert kühl auf den Brief: Niemand werde gezwungen, sich an der Ausschreibung zu beteiligen, hieß es. Außerdem werde niemand bevorzugt. Northrop und EADS üben derweil den Schulterschluss: "Wir unterstützen zu 100 Prozent unseren amerikanischen Partner bei seiner Initiative", sagte ein EADS-Sprecher.

Das Kalkül der beiden Konzerne: Ohne zwei Bieter wird die Auftragsvergabe zum Kauf von bis zu 179 neuen Tankflugzeugen im Wert von 50 Mrd. Dollar zu einer Farce. Damit könnten dem Verteidigungsministerium gar Strafzahlungen drohen, denn es ist verpflichtet, das beste Gebot für den größten Rüstungsauftrag der jüngeren Geschichte einzuholen. Ohne eine Offerte von Northrop und EADS aber würde der Auftrag automatisch Boeing in den Schoß fallen.

Durch ihren Vorstoß wollen die beiden Partner nun politischen Druck in den USA aufbauen, damit das Pentagon die Ausschreibungsbedingungen noch umformuliert. Beobachter bezweifeln aber, dass das Manöver gelingen wird.

Es steht viel auf dem Spiel, auch für Boeing. Der US-Konzern braucht den Tankerauftrag dringend, um als Anbieter von Militärflugzeugen zu überleben. Bei den letzten Ausschreibungen des Pentagon ging Boeing leer aus, etwa bei der Beschaffung des neuen Kampfflugzeugs Joint Strike Fighter, den sich Lockheed Martin sicherte. Außerdem ist Boeing auch im zivilen Flugzeugbau durch die Probleme beim Langstreckenflieger B787 "Dreamliner" in Turbulenzen geraten.

Seite 1:

EADS droht Pentagon mit Ausstieg

Seite 2:

Kommentare zu " Tankerflugzeuge: EADS droht Pentagon mit Ausstieg"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Hat eads eigntlich chancen ein
    angebot für das tankflugzeug an
    russland zu machen?? die usa haben
    ja schon einmal vor jahren den gleichen betrug mit einem panzer
    gemacht. die usa, siehe auch opel, sind keine fairen geschäftspartner.
    Russland ist auf jeden fall ein
    fairer und ehrlicher geschäftspartner
    und sind es immer gewesen.

    keine

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%