Tankstellen-Betreiber: Niedriger Ölpreis verhagelt Westfalen das Geschäft

Tankstellen-Betreiber
Niedriger Ölpreis verhagelt Westfalen das Geschäft

Hohe Wertberichtigungen und der milde Winter zehren die Gewinne beim Energieunternehmen Westfalen auf. Dieses Jahr ist besser angelaufen – auch weil die Autofahrer wieder mehr tanken.
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MünsterDie Westfalen-Gruppe aus Münster hat im Geschäftsjahr 2014 nur ganz knapp schwarze Zahlen geschrieben: Das Ergebnis des Energieunternehmens ist im vergangenen Jahr von 26,8 auf 1,5 Millionen Euro eingebrochen. Auch der Konzernumsatz blieb mit rund 1,8 Milliarden Euro um gut 88 Millionen unter dem Wert des Vorjahres.

Ursache für den Rückgang seien „niedrigere operative Ergebnisse in den Bereichen Energieversorgung und Tankstellen“, teilte die Gruppe am Dienstag in Münster mit. Zu schaffen machten ihr „erhebliche Effekte aus dem drastischen Preisverfall für Mineralölprodukte“, mit anderen Worten: der unerwartete Preisverfall an den Ölmärkten. Die Lagervorräte mussten den Angaben zufolge „enorm abgewertet werden“. Zusätzlich bremste der milde Winter das Gasgeschäft.

Mitte 2014 waren die Ölpreise abgerutscht. Ein Barrel der europäischen Sorte Brent kostete damals noch rund 115 Dollar. Zu Beginn dieses Jahres lag der Preis zeitweise sogar unter 50 Dollar, hatte sich aber in den vergangenen Monaten um 60 Dollar eingependelt. Die weiteren Prognosen sind allerdings verhalten, zumal iranisches Öl mit der Einigung im Atomstreit das Überangebot am Markt nun noch vergrößern kann. Zuletzt war der Ölpreis daher auf rund 57 Dollar gefallen. Der Preisrutsch spiegelt sich zur Freude der Autofahrer auch in den Benzinpreisen wider.

Dank der gefallenen Spritpreise tanken die Autofahrer wieder mehr. „Das relativ günstige Preisniveau unterstützt einen höheren Absatz an der Tankstelle“, betonte vor kurzem der deutsche Marktführer Aral. Bei der Westfalen-Gruppe sind die Absatzmengen bei Kraftstoffen in den ersten fünf Monaten 2015 um 3,4 Prozent gestiegen. Das Unternehmen ist daher für das laufende Geschäftsjahr zuversichtlich. „Wir sind gut ins Jahr gestartet“, sagte Wolfgang Fritsch-Albert, der Vorstandsvorsitzende der Westfalen-Gruppe, deren Kerngeschäft Gase, Energie und Tankstellen sind.

Angesichts der letztjährigen Entwicklung sind die Münsteraner aber vorsichtig mit ihrer Prognose. Denn im Bereich Tankstellen hänge die Ergebnisentwicklung stark davon ab, wie sich die Kraftstoffmargen entwickeln. Jegliche Ergebnisprognose sei stark von Unsicherheit geprägt.

Wachstumsimpulse erwartet die Westfalen Gruppe vor allem im Segment Medizintechnik. Im Mai hat sie einen Mehrheitsanteil von 80 Prozent an der Medica Technik GmbH erworben, einem Spezialunternehmen für Homecare, Medizin- und Rehatechnik.

Über die Höhe des Preises für die Medica Technik schweigen sich die Münsteraner aus. „Mit dem Erwerb positionieren wir uns strategisch für den Vertrieb von Homecare-Produkten und Dienstleistungen im deutschen Gesundheitsmarkt“, sagte Vorstandschef Fritsch-Albert. Insgesamt hat die Medica Technik 16 Standorte, die gleichmäßig über Deutschland verteilt liegen. Darüber hinaus erhofft sich die Gruppe weitere „deutliche Kundenzuwächse“ bei Erdgas- und Stromverträgen.

Kommentare zu " Tankstellen-Betreiber: Niedriger Ölpreis verhagelt Westfalen das Geschäft"

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  • Der gefallene Ölpreis spiegelt sich in den Benzinpreisen wieder? Also hier in Hamburg frage ich mich Abends bei Esso, Aral und Shell ob die nicht in der Birne brennen...bei den Preisen die die aufrufen. € 1,52 für Super erinnert mich fast an Höchststände.

    Das ist doch ein abgekartertes Spiel....

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