Tanzi steht vor Gericht
Prozess um Parmalat-Pleite hat begonnen

Im Skandal um die Milliarden- Pleite des italienischen Lebensmittelkonzerns Parmalat hat am Mittwoch der erste größere Prozess vor einem Mailänder Gericht begonnen. Firmengründer Calisto Tanzi stand dabei erstmals vor seinem Richter.

HB MAILAND. Tanzi wird beschuldigt, maßgeblich an der Milliarden-Pleite des norditalienischen Milch-Riesen beteiligt gewesen zu sein. Mit Tanzi auf der Anklagebank sitzen 15 weitere Manager sowie drei juristische Personen, darunter die Revisionsgesellschaft Deloitte&Touche. Dem Unternehmensgründer drohen Medienangaben zufolge bis zu viereinhalb Jahre Haft wegen Kurstreiberei und falscher Bilanzangaben gegenüber den Revisoren.

Während sich vor dem Gerichtsgebäude zahlreiche wütende Kleinanleger und unzählige Journalisten versammelt hatten, sei Tanzi durch eine Seitentür in den Verhandlungssaal gebracht worden, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Der 66-Jährige habe darauf bestanden, selbst beim Prozess anwesend zu sein, hieß es: „Er will nicht nur als Angeklagter, sondern auch als Ankläger des Systems - und vor allem der Banken - auftreten, das seiner Meinung nach die Hauptschuld am Parmalat-Desaster trägt“, meinte ein Kommentator der Zeitung „La Repubblica“ im Vorfeld.

Beobachter rechnen mit einem langen und schwierigen Prozess. Viele betrogene Kleinanleger hoffen, für ihre finanziellen Verluste zumindest teilweise entschädigt zu werden. „Es ist unglaublich, wie diese Menschen mit unserem Leben gespielt haben“, sagte eine Frau im Gerichtssaal. Die nächste Verhandlung wurde für den 2. Dezember angesetzt.

Demnächst steht für Tanzi noch ein weiterer Prozess an. In Parma muss er sich gegen den Vorwurf des betrügerischen Bankrotts und der Bilanzfälschung verteidigen. Dabei riskiert er eine Gefängnisstrafe von bis zu 15 Jahren. Der Parmalat-Gründer hatte nach seiner Festnahme Ende Dezember 2003 bereits rund drei Monate in Haft und mehr als fünf Monate unter Hausarrest verbracht.

Der Skandal war am 19. Dezember 2003 ins Rollen gekommen, als die Bank of America die Existenz eines Kontos auf den Cayman-Inseln der Parmalat-Tochter Bonlat dementierte, auf dem mehr als 3,9 Mrd. € liegen sollten. Die Ermittlungen ergaben später, dass ein vermeintlicher Brief der Bank Monate zuvor von einem Parmalat- Mitarbeiter gefälscht worden war. Bonlat soll eigens zur Bilanzfälschung gegründet worden sein.

Der anschließende Zusammenbruch des Konzerns unter einem Schuldenberg von fast 15 Mrd. € gilt als einer der größten Betrugsskandale der europäischen Unternehmensgeschichte. Schon kurz nach der Pleite übernahm der Manager Enrico Bondi als Insolvenzverwalter die Führung bei Parmalat. Er versucht seither erfolgreich, das Lebensmittel-Unternehmen - das bei seinem Zusammenbruch 36 000 Menschen beschäftigte - wieder auf Kurs zu bringen.

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