Tarif-Verhandlung
Stellenabbau bei VW allein reicht nicht

Je enger das Korsett ist, desto schwerfälliger die Bewegungen. Und bei den aktuellen Verhandlungen über den Abbau von mindestens 20 000 Stellen in den westdeutschen Volkswagen-Werken ist das Korsett des Managements sehr eng.

FRANKFURT. Der geltende Tarifvertrag schließt schließlich Kündigungen bis zum Jahr 2011 aus. Der Vorstand ist auf freiwillige Kündigungen angewiesen. Und da sich die VW-Werke nicht gerade in Boomregionen befinden, kann sich jeder Beschäftigte ausrechnen, wie lange die Abfindung reichen muss. Für VW wird das ein teures Geschäft.

Ob es am Ende nun etwas weniger oder etwas mehr als eine Milliarde Euro werden, ist zweitrangig, weil es keine Alternative gibt. Denn auch wenn VW die IG Metall nun offiziell zu Gesprächen eingeladen hat, die Job-Sicherung bis 2011 kann die Gewerkschaft nicht aufgeben, will sie vor ihren Mitgliedern nicht gänzlich das Gesicht verlieren. Schließlich verkaufte die IG Metall den Verzicht auf Kündigungen aus dem Jahr 2004, den es nicht zum Nulltarif gab, als großen Erfolg. Aus ihrer Sicht mag sie damit sogar recht haben, wie die aktuelle Hängepartie beweist.

Wie bei der Einführung der Vier-Tage-Woche machten die VW-Beschäftigten Eingeständnisse und verzichteten auf Lohnerhöhungen. Eine Rückkehr von der 28,8 zur 35-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich ist damit ebenso eine Illusion des VW-Managements wie weitere Einschnitte in die Besitzstände der Arbeitnehmer ohne Zugeständnisse des Managements bei der Zukunftssicherung. Dass die VW-Beschäftigten im Konzernvergleich mit ihren erfolgreicheren Audi-Kollegen höhere Stundensätze kassieren, ist zwar längst nicht mehr gerechtfertigt. Aber auch diese Altlast aus besseren Tagen lässt sich nur langsam abbauen. Eine Erfolgsbeteiligung nach Audi-Vorbild könnte eine Brücke bei den Verhandlungen sein. Doch bei gewerkschaftlichen Organisationsgraden von nahezu einhundert Prozent lässt sich schwerlich gegen die Gewerkschaft regieren.

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