Tarifforderung der IG Metall
Das Ende der Bescheidenheit

Trotz abkühlender Konjunktur geht die IG Metall mit einer Rekordforderung von „sieben bis acht Prozent“ in die Tarifrunde für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie. Ein heftiger Tarifstreit ist vorprogrammiert. Bereits jetzt warnen Verbandsvertreter und Volkswirte vor den volkswirtschaftlichen Folgen.

FRANKFURT. Trotz abkühlender Konjunktur geht die IG Metall mit einer Rekordforderung von „sieben bis acht Prozent“ in die Tarifrunde für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie. „Es geht um mehr Gerechtigkeit, und es geht um mehr Wachstum“, begründete IG-Metall-Chef Berthold Huber den am Montag in einer Vorstandssitzung abgesteckten Forderungskatalog. Kräftige Lohnerhöhungen könnten die schwache Binnenkonjunktur stärken, argumentierte er.

Damit steuert die Metall- und Elektroindustrie im Herbst in einer Abschwungphase auf einen heftigen Tarifstreit zu. Schon verlangte der Arbeitgeberverband Gesamtmetall von der Gewerkschaft, auf „Mobilisierungspolemik“ zu verzichten. In der aktuellen Konjunkturlage würden „unvernünftig hohe Forderungen“ Belegschaften und Unternehmen „spalten“, warnte Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser.

Formal dient der vom IG-Metall-Vorstand festgelegte Rahmen zunächst als Empfehlung für die weiteren Beratungen in den regionalen Gremien der IG Metall. Die endgültige Forderung wird der Vorstand am 23. September beschließen. Dennoch ist damit bereits klar, dass die Gewerkschaft mit der höchsten Forderung seit 1992 in eine Tarifrunde geht – seither hatte sie maximal 6,5 Prozent verlangt. Die regional geführten Tarifverhandlungen starten in der ersten Oktoberhälfte, ab November sind Streiks möglich.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warf der IG Metall vor, sie überziehe „gewaltig“ und laufe Gefahr, die Konjunktur noch zusätzlich zu belasten. Hannes Hesse, Hauptgeschäftsführer des Maschinenbauverbands VDMA, betonte, angesichts eines verschärften Wettbewerbsdrucks und rückläufiger Auftragseingänge sei „ein großer Schluck aus der Lohnpulle nicht drin“.

Bankenvolkswirte sehen nun Sorgen bestätigt, dass die Abschwächung bald auch am Arbeitsmarkt durchschlagen könnte. Zusammen mit dem „Ende der Lohnzurückhaltung“ werde sie dafür sorgen, „dass der Beschäftigungszuwachs abebben und die Arbeitslosigkeit im nächsten Jahr wieder leicht steigen wird“, sagte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank.

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