Tarifgespräche beginnen
US-Autobranche vor harten Verhandlungen

Angesichts ihrer Absatzprobleme und der ausländischen Konkurrenz stehen die US-Autobauer General Motors (GM), Ford und Chrysler vor den wohl wichtigsten Tarifverhandlungen seit Jahren.

HB DETROIT. Vom Ausgang der am Montag beginnenden Gespräche mit der Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) wird mit abhängen, ob und wann die mit Milliarden- Verlusten kämpfenden „big three“ zurück auf die Überholspur finden. Im Mittelpunkt stehen die Forderungen der Firmen, Werke schließen zu dürfen sowie bei den immensen Kosten für Gesundheitsvorsorge und Pensionen der Automobil-Arbeiter entlastet zu werden. Der 2003 geschlossene Tarifvertrag für die rund 180 000 Mitarbeiter der drei großen Autobauer in Detroit läuft am 14. September aus.

Die drei Firmen verlieren seit Jahren Marktanteile. Sie beklagen Kostennachteile gegenüber den mittlerweile auch in Nordamerika mit Produktionsstandorten vertretenen japanischen und koreanischen Autokonzernen, deren knapp 60 000 US-Mitarbeiter zumeist nicht gewerkschaftlich organisiert sind. GM, Ford und Chrysler übernehmen dagegen die Kosten für die Krankenversicherung und die Altersvorsorge zum Teil komplett. GM trägt als größter US-Autobauer inzwischen für rund eine Million Menschen die Gesundheitskosten, die sich im vergangenen Jahr auf 4,8 Milliarden Dollar summierten.

Beim tiefrote Zahlen schreibenden Hersteller Chrysler beliefen sich diese Lohnnebenkosten zuletzt auf rund 1 000 Dollar pro verkauftem Auto. 2006 sackte der Marktanteil der drei US-Hersteller auf 56 Prozent ab, vor zehn Jahren waren es noch 72 Prozent gewesen. GM hat zuletzt seine Position als weltgrößter Autobauer an Toyota verloren. Experten machen für die Schwäche aber auch eine verfehlte Modellpolitik der US-Firmen verantwortlich. Bei der Entlastung von Kosten wird unter anderem die Einrichtung eines Fonds für Gesundheitskosten diskutiert, wie er etwa für die Pensionäre des Reifenherstellers Goodyear vereinbart wurde. Der aktuelle Tarifvertrag der Autobranche lässt zudem keine dauerhaften Werksschließungen zu, die aus Sicht der Firmen aber zum Abbau überschüssiger Kapazitäten notwendig wären: Ford will 16 Werke schließen, GM zwölf und Chrysler eines.

Gewerkschaftsboss Ron Gettelfinger hat harte Verhandlungen angekündigt. Der frühere Bandarbeiter von Ford signalisierte keinerlei Entgegenkommen für die Gespräche, die wohl mehrere Wochen andauern werden. Die Gegenseite zeichnete für den Fall eines Scheiterns ein schwarzes Bild. Es gehe um das Überleben der Branche, sagte John Snow, Chef des Finanzinvestors Cerberus, dem künftig Chrysler gehören wird. Zum Streik hat die UAW ihre Mitglieder zuletzt 1998 aufgerufen. Die Mitgliederzahl schrumpft wegen Stellenkürzungen und Beteiligungsverkäufen seit Jahren und hat sich in den vergangenen 25 Jahren auf rund 640 000 mehr als halbiert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%