HB DÜSSELDORF. Im Tarifkonflikt der Fluglotsen steht die Entscheidung über einen Streik mit erheblichen Auswirkungen für Zehntausende Flugreisende bevor. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) werde am (morgigen) Montag oder spätestens Dienstag über den Arbeitskampf entscheiden, teilte GdF-Vorstandsmitglied Markus Siebers am Sonntag mit. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) berät ebenfalls am Montag, ob sie die Schlichtung anruft und einen Streik damit erst einmal abwendet.
Siebers sagte dem DAPD, Zeitpunkt und Ausmaß des Arbeitskampfes seien weiter offen. Wenn nur einzelne der bundesweit 16 Niederlassungen bestreikt werden sollten, könne es "ganz schnell gehen". Bei massiveren Aktionen sei eine längere Vorbereitung notwendig. Der Gewerkschafter beklagte, dass sich die Politik nicht in den Tarifkonflikt bei dem zu 100 Prozent dem Bund gehörenden Unternehmen einmische. Bei der Lufthansa habe sich Verkehrsminister Peter Ramsauer schnell zu Wort gemeldet.
Wo, wann und wie lange gestreikt wird, will die GdF 24 Stunden vorher bekanntgeben. Fliegerische Notfälle würden selbstverständlich auch in Streikstunden abgefertigt, hieß es. Nach Darstellung der Deutschen Flugsicherung müssten die Lotsen aber in jedem Fall 25 Prozent des Flugverkehrs in den von einem Streik betroffenen Regionen abarbeiten.
DFS-Sprecher Axel Raab sagte, die Geschäftsführung werde am (morgigen) Montag beraten. Dem Unternehmen steht die Möglichkeit offen, die Schlichtung anzurufen. Auch bei der Lufthansa hatten sich Gewerkschaft und Konzern auf ein Schlichtungsverfahren verständigt und damit einen geplanten Pilotenstreik noch verhindert.
Bei dem Tarifkonflikt geht es um die Arbeitszeiten. Die DFS lehnt die Forderung nach kürzeren Arbeitszeiten an Flughäfen ab, an denen ein Verkehrsrückgang zu verzeichnen sei. Bei den Tarifverhandlungen ging es dem Unternehmen zufolge um einen Belastungsausgleich für die Lotsen. Dieses Thema wurde mit Gesprächen zu einer gemeinsamen Personaleinsatzplanung verknüpft.
Die GdF vertritt nach eigenen Angaben 3.200 Mitglieder in der Flugsicherung, in allen deutschen Regionalkontrollstellen, in den Towern, bei der militärischen Flugsicherung und bei den Vorfeld-Controllern.