Tarifkonflikt
Trotz Abschwung: Metaller sind kampfbereit

Ungeachtet der Hiobsbotschaften aus der Metall- und Elektroindustrie beharren die Beschäftigten der Branche auf „ihren“ acht Prozent mehr Geld für das kommende Jahr. Die Metaller erhöhen den Druck - komme, was da wolle.

HB HAMBURG. Wenn es nach den 3,6 Mio. Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie geht, ist die Lage äußerst ernst. Die Offerte der Arbeitgeber - plus Einmalzahlung - verhöhnen sie als „Bonsai“-Angebot. Der Tenor bei den erstmals bundesweiten Protesten: „Wir lassen uns nicht mit 2,1 Prozent abspeisen.“

Die Drohung nach einer Verschärfung des Arbeitskampfes steht bereits im Raum. „Wenn die Warnung nicht gehört wird, kommt die nächste Eskalationsstufe“, warnt der Frankfurter IG-Metall- Verhandlungsführer Armin Schild. Das hieße: unbefristeter Streik. Schon kommende Woche könnte eine Entscheidung darüber fallen.

Mehr als 160 000 Beschäftigte folgten am Dienstag dem Aufruf ihrer Gewerkschaft und ließen von Flensburg bis München spontan die Arbeit ruhen. Die Industrie allerdings wird nicht müde zu betonen, dass bei den derzeitigen konjunkturellen Aussichten die Forderungen der Beschäftigten nicht erfüllt werden könnten. „Die IG Metall ist im falschen Film“, kritisiert der Arbeitgeberverband Nordmetall.

Manche Experten vermuten, dass sich die Gewerkschafter mit ihrer hohen Forderung auch ins eigene Fleisch schneiden könnten. „Sollte sich die IG Metall durchsetzen, dann ist es angesichts der prekären Situation in der Branche unwahrscheinlich, dass die derzeitige Zahl der Arbeitnehmer gehalten werden kann“, sagt der Konjunkturexperte vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI), Alkis Otto.

Ohnehin würde das eigentlich höchste Druckmittel Streik in der jetzigen Situation nur bedingt greifen. „Wenn in einzelnen Branchen die Produktion bereits gestoppt ist, dürfte der Druck auf die Arbeitgeber wohl nicht so hoch sein, wie in guten Konjunkturzeiten“, vermutet Otto.

Von einem Einlenken will die IG Metall vorerst aber nichts wissen. Besonders das 500-Milliarden-Rettungspaket der Bundesregierung für angeschlagene Banken hat die Metaller in ihrer hohen Lohnforderung noch einmal bestärkt. Im Morgengrauen marschieren 400 Mitarbeiter der Traditionswerft Blohm & Voss durch den Hamburger Elbtunnel, in den Docks werden am Dienstag keine Schiffe gebaut. Auch bei Airbus im Werk Finkenwerder sind die Hallen menschenleer. 5000 Metaller versammeln sich zu einer Kundgebung an der Reeperbahn. Es sei ein Gipfel der Unverschämtheit, „dass die Beschäftigten die Folgen der Finanzkrise ausbaden sollen“, ruft IG-Metall-Chef Berthold Huber vom Podium. „Wir wollen guten Lohn für gute Arbeit, dafür kämpfen wir“.

Im Vergleich zum Vorjahr hat die Gewerkschaft bei ihrer Lohnforderung noch einmal eine Schippe draufgelegt: Damals forderten sie 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt - und bekamen einen Aufschlag von 4,1 Prozent für zwölf Monate und anschließend 1,7 Prozent für fünf Monate. Doch anders als die Lokführer, die in Zeiten einer brummenden Wirtschaft elf Prozent mehr Geld erkämpften, kommen die Tarifverhandlungen der Metallbranche für die Arbeitnehmer zur Unzeit. Doch als die IG Metall am 8. September ihre höchste Lohnforderung seit 16 Jahren aufstellte, war der Banken-Crash noch nicht abzusehen.

Auch wenn klar sein dürfte, dass diese Forderung sich in dieser Höhe niemals durchsetzen wird, bekommen die Metaller zumindest moralische Unterstützung von Deutschlands oberstem Sozialdemokraten. Er sehe die Forderung nach einem angemessenen Anteil am gemeinsamen Erwirtschafteten „mit Sympathie“, sagt der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering. Die Arbeitgeber dürften sich nicht mit dem Hinweis auf bevorstehende schwierigere Zeiten herausreden. „Die schwierigeren Zeiten kommen für die Arbeitnehmer auch“, deshalb bräuchten sie „das nötige Geld im Portemonnaie“.

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