Tarifrunde
Betriebsrat will Druck auf Volkswagen erhöhen

Mit weiteren Protestaktionen gegen den Sparkurs von Volkswagen will der Betriebsrat in der laufenden Tarifrunde den Druck auf das Managements des Autobauers verstärken.

HB WOLFSBURG. „Ich weiß nicht, ob wir ganz ohne Ärger auskommen werden“, sagte der designierte Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh am Freitag in Wolfsburg: „Wir werden den Druck erhöhen.“ Mit Blick auf die Krise bei Opel äußerte der amtierende oberste Arbeitnehmervertreter Klaus Volkert allerdings die Hoffnung, dass sich der Konflikt bei VW am Verhandlungstisch lösen lasse. Volkert machte zudem deutlich, dass sich Arbeitgeber und Gewerkschaft spätestens bis zur Aufsichtsratssitzung am 12. November auf Investitionsentscheidungen geeinigt haben sollten, um die Beschäftigung in den Werken zu sichern.

Der Konzernspitze warf Volkert massive Managementfehler vor, lobte aber zugleich den Wechsel des früheren Daimler-Managers Wolfgang Bernhard zu VW. Es sei „allerhöchste Zeit, dass jemand wie Bernhard kommt und an die Strukturen geht“. Der Aufsichtsrat soll bei der Sitzung Mitte kommenden Monats neben der langfristigen Investitionsplanung auch die Berufung des Sanierungsexperten in den Konzernvorstand beschließen. Dort soll Bernhard spätestens Anfang 2006 die Leitung der Markengruppe VW übernehmen. Volkert verwies zugleich darauf, dass die so genannte Planungsrunde des Kontrollgremiums auch verschoben werden könnte, falls sich bis dahin in den Verhandlungen noch keine Einigung abzeichne.

Volkert machte deutlich, dass für ihn die Sicherung der 103 000 Arbeitsplätze in den sechs westdeutschen Werken Vorrang vor Einkommenserhöhungen habe. Dafür sei er bereit, entsprechende Abstriche an der Lohnforderung von vier Prozent zu machen. Am Ende werde es um „Jobs oder Mäuse“ gehen. „Wir verhandeln nicht mehr über das Ob einer Beschäftigungszusage, sondern darüber, wie hoch der Preis hierfür sein kann und darf“, ergänzte Osterloh. Angesichts der schwierigen Lage des Konzerns wisse die Belegschaft, wie viel in der Tarifrunde auf dem Spiel stehe.

Die Tarifparteien hatten sich in der dritten Verhandlungsrunde vor wenigen Tagen angenähert. Dabei hatte sich die Konzernführung nach Darstellung der IG Metall grundsätzlich bereit erklärt, die Beschäftigung in den sechs westdeutschen VW-Werken in einem Tarifvertrag zu sichern.

VW-Chefunterhändler Josef-Fidelis Senn hatte aber betont, in Details liege man noch sehr weit auseinander. Der Wolfsburger Autokonzern verlangt wegen seiner Ertragskrise eine zweijährige Nullrunde und will in den Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft zudem erste Schritte vereinbaren, dass die Personalkosten bis 2011 um zwei Milliarden Euro sinken. Die Verhandlungen sollen am 21. Oktober fortgesetzt werden.

Eine Woche später endet die Friedenspflicht, nach deren Ablauf die Gewerkschaft ihre Mitglieder zu Streikaktionen aufrufen kann. Frühere Proteste hatte die Konzernführung als illegal bezeichnet. Während der dritten Verhandlungsrunde hatten knapp 4000 Auszubildende am Verhandlungsort für ihre Übernahme nach der Lehre in eine feste Anstellung demonstriert.

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