Tarifrunde der Metaller
Metall-Arbeitgeber erwägen tarifpolitische Denkpause

Die Tarifrunde der Metaller steht unter keinem guten Stern: Rückläufige Absatzzahlen mehrerer Autohersteller signalisieren ein baldiges Übergreifen der Finanzmarktkrise auf die Metallindustrie. Während Arbeitgeber mit einem tarifpolitischen Plan-B einer Eskalation vorbeugen wollen, mahnt die IG-Metall eine schnelle Tarifrunde an.

BERLIN. Als Folge der verschärften Finanzkrise werden im Metall-Tarifkonflikt die Karten neu gemischt. Zwar geben IG Metall und Arbeitgeber weiterhin als oberstes Ziel aus, möglichst zügig bis November eine Einigung über Lohnerhöhungen für die insgesamt 3,6 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie zu finden. Im Arbeitgeberlager werden jedoch schon Überlegungen für einen tarifpolitischen "Plan B" angestellt, um das Risiko einer völligen Eskalation des Konflikts in Deutschlands wichtigstem Industriezweig zu entschärfen.

Nach diesem Modell soll die seit Anfang Oktober laufende Tarifrunde notfalls auf zwei Etappen mit einer zwischengeschalteten "Denkpause" verteilt werden. Damit, so die Idee, ließe sich Zeit gewinnen, um mehr Klarheit über die tatsächlichen Auswirkungen der Finanzkrise auf die weitere Entwicklung der Realwirtschaft zu gewinnen. Zu einem endgültigen neuen Tarifvertrag käme es dann erst im Frühjahr 2009. Entsprechende Überlegungen stellten gestern sowohl der Arbeitgeberverband Metall NRW als auch der Verband in Niedersachsen vor.

Die IG Metall treffe mit ihrer Rekord-Tarifforderung von acht Prozent jetzt auf eine Situation, "die wir alle noch nicht erlebt haben", begründete Metall-NRW-Chef Horst-Werner Maier-Hunke den Vorstoß. Die Forderung sei schon bisher "schwer nachvollziehbar" gewesen. Da die Rückwirkungen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft nun nicht mehr zu leugnen seien, gehöre sie "fast schon ins Absurditätenkabinett".

"Bevor sich deswegen in den Verhandlungen alles verkeilt und es zur Eskalation kommt, sollten wir rechtzeitig eine Abkühlungsperiode verabreden", sagte er dem Handelsblatt. Praktisch lasse sich dies etwa dadurch umsetzen, dass die Tarifparteien für die Metaller zunächst Einmalzahlungen für die Zeit bis Jahresende vereinbarten. Der endgültige Kompromiss über einen neuen Tarifvertrag mit dauerhaft wirksamen Lohnerhöhungen könnte dann nach dem Jahreswechsel gesucht werden, wenn auch das Ausmaß der Krise besser erkennbar sei.

Die IG Metall zeigte indes kein Interesse an einer solchen Vorgehensweise und mahnte eine schnelle Tarifrunde an. Nach dem Forderungsbeschluss der IG Metall im September haben die Tarifparteien mittlerweile in den meisten Bezirken Verhandlungen aufgenommen. NRW eröffnet die Tarifrunde am Dienstag als letzter Bezirk.

Seite 1:

Metall-Arbeitgeber erwägen tarifpolitische Denkpause

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%