Tarifrunde
IG Bau fordert sechs Prozent mehr Geld

Trotz der Wirtschaftskrise zieht die Industriegewerkschaft Bau mit der höchsten Forderung seit Jahren in die Tarifrunde des Bauhauptgewerbes. Die Tarifverhandlungen sollen am 5. März beginnen.

HB FRANKFURT/MAIN. Die Gewerkschaft verlangt sechs Prozent mehr Geld für die 700 000 Beschäftigten, wie sie am Donnerstag beschloss. Die Arbeitgeber sprachen von der höchsten Forderung seit 14 Jahren und wiesen sie als „völlig überzogen“ zurück. Die Tarifverhandlungen sollen am 5. März beginnen.

IG-Bau-Chef Klaus Wiesehügel verwies zur Begründung der Forderung auf die gestiegenen Gewinne der Unternehmen sowie das Konjunkturprogramm der Bundesregierung: „Das Baugewerbe hat sich von den Krisenjahren erholt. Es wird dank des Konjunkturprogramms der Bundesregierung stabil bleiben. 18 von 50 Milliarden Euro sind für die Bauwirtschaft bestimmt“, erklärte Wiesehügel nach einer Sitzung der Bundestarifkommission.

Die Gewinne in der Bauwirtschaft seien in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen, die Einkommen der Beschäftigten aber real gesunken. „Deshalb sind sechs Prozent mehr als gerechtfertigt“, erklärte Wiesehügel. Für harte körperliche Arbeit müsse entsprechend gezahlt werden. „Sonst darf sich niemand wundern, wenn zunächst die Auszubildenden und dann die Facharbeiter fehlen“, mahnte Wiesehügel.

Die Arbeitgeber verwiesen dagegen auf wirtschaftliche Unsicherheiten und noch unklare Auswirkungen des Konjunkturpakets. „Die von der Gewerkschaft behaupteten Gewinnsteigerungen der letzen Jahre entbehren leider jeglicher Grundlage. Auch kann in Anbetracht der Tariferhöhungen der vergangenen beiden Jahre nicht von einem Reallohnverlust gesprochen werden“, erklärte Verhandlungsführer Frank Dupré. Die IG Bau habe „unerfüllbare Erwartungen“ geweckt.

Der Vizepräsident des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB) forderte, die Sicherung von Arbeitsplätzen und der Wettbewerbsfähigkeit müssten Vorrang vor Einkommensverbesserungen haben. Für die Arbeitgeber stehe die Wettbewerbsfähigkeit der tarifgebundenen und tariftreuen Betriebe gegenüber nicht verbandsgebundenen Betrieben sowie illegaler Konkurrenz im Vordergrund.

Zudem müsse die Tarifrunde der unterschiedlichen wirtschaftlichen Situation in den einzelnen Bereichen und Regionen Rechnung tragen. Dazu müssten neue Tarifstrukturen geschaffen werden. Mögliche Einkommensverbesserungen müssten sich auch vorrangig an dem Grundsatz „mehr netto“ orientieren, forderte Dupré.

Wiesehügel argumentierte, der Bau stehe in der Rangfolge der Bruttojahresverdienste nach harten Krisenjahren nur noch an 21. Stelle. Ein Facharbeiter erhält den Angaben zufolge derzeit 15,48 Euro im Westen und 13,80 Euro im Osten. Die IG BAU strebt auch die Angleichung der Ost- an die Westlöhne an, wie sie erklärte.

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