Tarifrunde naht
Lokführer wollen 6,5 Prozent mehr Lohn

Die Lokführer-Gewerkschaft GDL fordert in der anstehenden Tarifrunde bei der Deutsche Bahn 6,5 Prozent mehr Lohn. Zudem müssten die Arbeitszeitregelungen verbessert werden, sagte GDL-Chef Claus Weselsky. Lokomotivführer und Zugbegleiter müssten am wirtschaftlichen Erfolg der Bahn beteiligt werden.

HB KÖNIGSWINTER/BERLIN. Ein Jahr nach dem Streikmarathon bei der Bahn zieht die Lokführer-Gewerkschaft GDL dieses Mal mit einer deutlich geringeren Lohnforderung als die Konkurrenz-Gewerkschaft Transnet in die neue Tarifrunde. Die Lokführer verlangten von der Bahn 6,5 Prozent mehr Lohn und Arbeitszeitverbesserungen, sagte GDL-Chef Claus Weselsky am Montag in Königswinter. Die größte Bahn-Gewerkschaft Transnet fordert dagegen zehn Prozent mehr Lohn und ebenfalls bessere Arbeitszeiten. Die Tarifverträge für rund 150 000 Beschäftigte der Bahn laufen Ende Januar aus.

Vor einem Jahr hatten sich die in der GDL organisierten Lokführer einen erbitterten Arbeitskampf mit der Bahn geliefert, um die Forderung nach bis zu 30 Prozent mehr Lohn durchzusetzen. Transnet und die mit ihr zusammenarbeitende Gewerkschaft GDBA forderten dagegen nur Einkommensverbesserungen von 4,5 Prozent. Der Tarifstreit schaukelte sich über Monate hoch, bis die Bahn nach massiven Streiks einen Lohnzuwachs von elf Prozent zusagte.

Die Forderung von Transnet nach zehn Prozent mehr Lohn wollte Weselsky nicht bewerten. Die GDL sei dieses Mal mit ihrer Forderung „bewusst nicht in den zweistelligen Bereich“ gegangen, sondern berücksichtige die gesamtwirtschaftliche Entwicklung, sagte er. Für die Lokführer stehe die Arbeitszeit in dieser Lohnrunde, die voraussichtlich im Januar beginnen werde, im Vordergrund. Nachtarbeit müsse durch einen Freizeitausgleich abgemildert werden.

Transnet-Chef Alexander Kirchner sieht die Wirtschaftskrise dagegen nicht als Anlass, Abstriche bei der Lohnforderung zu machen. Entgegen den Horrorszenarien von Bahn-Chef Hartmut Mehdorn sei die Konjunkturflaute für den Schienenkonzern durchaus beherrschbar, erklärte Kirchner in Berlin. Die Forderung der Transnet sei berechtigt und der Finanzlage der Bahn angemessen, die auch dieses Jahr wieder ein Rekordergebnis einfahren werde. Ein Arbeitskampf sei grundsätzlich nicht ausgeschlossen.

Auch die Transnet plädierte für einen Start der Tarifverhandlungen erst im Januar, während Mehdorn gern schon im Dezember angefangen hätte. Zugleich warb Kirchner für ein einheitliches Auftreten des Gewerkschaftslagers gegenüber dem Konzern. Die Transnet habe der GDL erneut die Zusammenarbeit angeboten, sagte er. Sie warte aber noch auf eine Antwort.

Mehdorn hatte vor einigen Tagen ein düsteres Szenario für die kommenden Monate gemalt. Im schlimmsten Fall werde der Konzern wegen der Konjunkturkrise im Dezember 40 Prozent weniger Güterzüge auf die Schiene bringen als im Vorjahr, sagte er. Um den Einbruch aufzufangen, werde ein Teil der Mitarbeiter länger in den Weihnachtsurlaub geschickt. Auch ein Stellenabbau bei Leiharbeitern sei möglich.

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