Tarifstreit
Ford verhandelt ohne Spielraum

Die eine Zitterpartie ist zu Ende, die nächste beginnt: In den Verhandlungen zwischen der notleidenden US-Autoindustrie und der Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) ist allein Ford noch ohne neuen Tarifvertrag. Während die Gewerkschaft UAW den Tarifvertrag bei Chrysler absegnete, steht Ford offenbar vor einem weiteren Stellenabbau.

HB NEW YORK. Die UAW-Mitglieder des Rivalen Chrysler segneten am Samstag ein Vertragswerk für 45 000 aktive Arbeiter sowie fast 80 000 Rentner und Familienmitglieder mit knapper Mehrheit ab. Es sichert dem neuen Chrysler-Eigentümer Cerberus deutliche Einsparpotenziale, die auch Ford in den nächsten Tagen zwingend durchboxen muss.

Der zweitgrößte US-Autokonzern hinter General Motors hat im Vorjahr nicht nur einen Rekordverlust von 12,6 Mrd. Dollar eingefahren, sondern büßt seitdem weiter rasant an Boden ein. Fords Marktanteil ist im laufenden Jahr um fast zwei Prozent auf nur noch 16 Prozent gefallen, Besserung ist nicht in Sicht. Während der US-Automarkt auf sein schlechtestes Jahr seit 1998 zusteuert, ist Ford von der Immobilienkrise durch sein starkes Standbein im Bereich der Pickup-Laster überproportional betroffen. Die Verkäufe leichter Ford-Nutzfahrzeuge liegen im Vorjahresvergleich mit mehr als 13 Prozent im Minus. Belastend hinzu kommt das neuerliche Ölpreis-Rekordhoch, das die Benzinkosten vieler Amerikaner auf mehr als drei Dollar pro Gallone treibt.

Für Ford kommt dieser Einbruch zur Unzeit: Das Unternehmen benötigt jeden Dollar, damit der Schuldendienst bedient werden kann. Wichtige Vermögenswerte wie Fabriken und Patente bis hin zum blauen Firmenlogo sind bereits beliehen. Um Geld in die Kasse zu spülen, hat der Konzern bereits seine Edelmarke Aston Martin an Finanzinvestoren abgegeben. Der Verkauf von Jaguar und Land Rover ist beschlossene Sache, die profitable Marke Volvo steht inzwischen ebenfalls zur Disposition. Experten sind überzeugt, dass auch der seit 2006 schon zweimal verschärfte Sparplan nicht reichen wird, um den Traditionskonzern vor dem finanziellen Aus zu bewahren.

Bisher will Konzernchef Alan Mulally das Unternehmen bis Ende 2008 um bis zu 30 000 Fabrikarbeiter und 14 000 Angestellte verschlanken. Damit wollte der langjährige Boeing-Manager, der vor einem Jahr den mit der Krise überforderten Gründer-Urenkel Bill Ford abgelöst hat, 2009 wieder schwarze Zahlen vorlegen. Doch das Ziel ist in weiter Ferne, die Marktverhältnisse zwingen Mulally zu noch härteren Einschnitten. Die Chefetage prüfe derzeit zusätzliche Maßnahmen, schreibt das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf zwei hochrangige Ford-Manager. Zur Diskussion steht den Angaben zufolge ein neues Abfindungsprogramm für Tausende Mitarbeiter aus sechs Ford-Werken, die vor der Schließung stehen. Die Budgets einiger Abteilungen könnten um weitere zehn bis 15 Prozent gekürzt werden, hieß es.

Ob die UAW-Mitarbeiter ihrem Konzern weiter entgegenkommen als die Kollegen von GM und Chrysler, ist nicht ausgemacht. Zwar räumen Gewerkschafter bei Ford ein, dass es bei den Verhandlungen nichts zu gewinnen gibt: „Wir sind in einer schlechteren Verfassung als alle anderen“, sagte Jim Stoufer, lokaler UAW-Präsident in einem Ford-Werk in Kansas City, Missouri. Auf Gegenwehr indes muss sich Mulally gefasst machen. Vor zwei Jahren akzeptierten die Arbeiter nur mit hauchdünner Mehrheit ein Sparpaket, das Ford milliardenschwere Entlastung bei den Gesundheitskosten brachte. Auch Chrysler musste am Wochenende bis zum Ende der Abstimmung zittern, ehe gerade mal 51 Prozent der Facharbeiter für das neue Tarifwerk stimmten.

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