Tarifstreit
In der Stahlbranche starten Warnstreiks

In der nordwestdeutschen Stahlindustrie hat die IG Metall mit Warnstreiks begonnen. Hintergrund ist der schwellende Tarifstreit. Los ging es heute Morgen beim Stahlkonzern Salzgitter - die ersten Mitarbeiter legten die Arbeit nieder.
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HB SALZGITTER. Rund 1500 Stahlarbeiter haben nach Gewerkschaftsangaben am Mittwoch in Salzgitter für höhere Löhne mehrere Stunden ihre Arbeit niedergelegt. Um Druck im Tarifkonflikt der nordwestdeutschen Stahlindustrie zu machen, rief die IG Metall in dieser Woche an verschiedenen Standorten zu Warnstreiks auf, darunter auch bei der Salzgitter AG.

„Vier Wochen kennen die Arbeitgeber unsere Forderung“, sagte der IG Metall-Bezirksleiter NRW und Verhandlungsführer Oliver Burkhard. Nach zwei Verhandlungsrunden gebe es aber immer noch kein Angebot, kritisierte er. Die IG Metall verlangt unter anderem Einkommenserhöhungen von sechs Prozent sowie die gleiche Entlohnung von Leiharbeitern und Festangestellten.

Die dritte Verhandlungsrunde ist für den 29. September in Gelsenkirchen geplant. „Die Stimmung der Kollegen war sehr entschlossen. Sie akzeptieren nicht, dass die Arbeitgeber kein Angebot machen und fordern ihren Anteil am Aufschwung“, sagte Matthias Wilhelm von der IG Metall Salzgitter.

Am Mittwoch starteten auch die Verhandlungen für die 8000 Beschäftigten in Ostdeutschland. An einer Kundgebung in Berlin nahmen rund 200 Metaller aus ostdeutschen Stahlbetrieben teil.

SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte am Rande einer Veranstaltung des niedersächsischen Metall-Arbeitgeberverbandes, die Beschäftigten hätten in der Krise dazu beigetragen, ihre Unternehmen zu retten. „Wenn wir jetzt einen Aufschwung haben, muss es ein Aufschwung für alle sein. Dann muss man auch faire Löhne zahlen.“

Verhandlungsführer Burkhard betonte: „Wir wollen sechs Prozent mehr Geld. Das ist nur fair. Denn wir haben wahrlich unseren Beitrag in der Krise geleistet. Jetzt ist die Krise vorbei. Jetzt brummt es wieder im Stahl.“ Der Umsatz pro Arbeitsstunde liege über den Werten von 2006, die Unternehmen könnten sich die Lohnsteigerungen leisten.

Kritik übte Burkhard auch an der Bundesregierung. Die Rente mit 67 bezeichnete er als „unrealistischen Wahnsinn“: „Noch nicht einmal 0,5 Prozent der Beschäftigten in der Stahlindustrie sind heute 63 Jahre und älter. Das ist die Realität“, sagte er. Zu hart sei die Arbeit der Stahlkocher.

Am Mittag sollte es auch in Dortmund einen Warnstreik geben, am Donnerstag dann unter anderem in Duisburg und Bochum sowie am Freitag in Mülheim/Ruhr und an weiteren Standorten.

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