Tarifverhandlungen gescheitert
Streiks bei Boeing bedrohen Dreamliner

Nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen mit Boeing sind die rund 27 000 gewerkschaftlich organisierten Mechaniker des US-Flugzeugbauers am Wochenende in einen unbefristeten Ausstand getreten. Dadurch gerät auch die Produktion des ohnehin verspäteten Vorzeigemodells Dreamliner wieder in Gefahr.

HB SEATTLE. "Der Streik beginnt", schrieb die Internationale Mechanikergewerkschaft (IAM) an ihre Mitglieder, nachdem die Tarifverhandlungen zuvor abgebrochen worden waren. Für den EADS-Konkurrenten bedeutet der Ausstand massive Einbußen. Ein Stillstand der Produktion würde Boeing jeden Tag rund 100 Millionen Dollar Umsatz kosten. Zudem drohen neue Verzögerungen beim Prestigeprojekt "787-Dreamliner".

Der Streik begann in der Nacht zum Samstag vor dem Boeing-Werk in Everett im US-Bundesstaat Washington. Eine großen Mehrheit der Gewerkschaftsmitglieder hatte das jüngste Boeing-Angebot Mitte vergangener Woche abgelehnt und der Geschäftsleitung eine weitere Frist von 48 Stunden gesetzt, um doch noch zu einer Einigung zu kommen. Weitere Verhandlungen sind derzeit nicht geplant.

"Wenn das Unternehmen reden will, sie haben meine Nummer", sagte der für Seattle zuständige Gewerkschaftschef Tom Wroblewski. Boeing-Sprecher Tim Healy sagte, die Geschäftsführung sei zu weiteren Gesprächen bereit. Boeing hatte zuletzt einen Tarifvertrag über drei Jahre mit einem Lohnplus von insgesamt elf Prozent angeboten. Dies würde für die Laufzeit des Vertrags zusammen mit neuen Bonusplänen das Durchschnittsgehalt eines Mechanikers um insgesamt 34 000 Dollar erhöhen. Ein Mechaniker verdient bei Boeing im Schnitt rund 65 000 Dollar mit Überstunden.

"Ich sehe keinen Punkt, in dem wir sehr weit auseinander sind", sagte Boeing-Elektriker Ron Strempel. "Es geht nur darum, dass das Unternehmen auf das eingehen muss, was uns wichtig ist." Die Gewerkschaft fordert Lohnerhöhungen von insgesamt 13 Prozent. Zudem sind die Arbeitnehmervertreter nicht bereit, Einschnitte bei betrieblichen Zuschüssen zur Krankenversicherung hinzunehmen. Schließlich wehrt sich die Gewerkschaft dagegen, dass immer mehr Arbeiten bei Boeing von Fremdfirmen ausgeführt werden.

Boeing verbuchte im vergangenen Jahr einen Gewinn von 4,1 Milliarden Dollar. Die Auftragsbücher für Verkehrsflugzeuge sind mit einem Rekordvolumen von 275 Milliarden Dollar gefüllt. In den letzten 20 Jahren hat die Mechaniker-Gewerkschaft dreimal bei Boeing gestreikt, zuletzt für 28 Tage im Jahr 2005. Von dem Ausstand sind auch die Modelle 737, 747, 767 und 777 betroffen. Negative Auswirkungen werden aber vor allem für den 787 befürchtet. Die Produktion des Boeing-Hoffnungsträgers ist ohnehin schon um Monate verzögert. Der erste Testflug ist bisherigen Planungen zufolge für das vierte Quartal des Jahres geplant. Boeing-Sprecher Healy sagte, der Zeitplan könnte jetzt wieder in Gefahr geraten.

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