Tarifverhandlungen in der chemischen Industrie
Schmoldt droht Arbeitgebern

Die Tarifrunde für die 550.000 Beschäftigten der chemischen Industrie steuert auf eine offene Konfrontation zu. Die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) kündigte an, ihre Mitglieder für Protestaktionen zu mobilisieren.

BERLIN. „Ich will zwar noch nicht von Warnstreiks sprechen“, sagte Gewerkschaftschef Hubertus Schmoldt dem Handelsblatt. „Aber wir werden sehr wohl deutlich machen, dass der derzeitige Kurs der Arbeitgeber nicht zu einer Einigung führen kann.“ Die IG BCE und der Bundesarbeitgeberverband Chemie hatten sich nach einer ersten zentral geführten Verhandlungsrunde am vergangenen Donnerstag vertagt und weitere Gespräche für den 8. März vereinbart. Angesichts einer unerwartet harten Haltung der Arbeitgeberseite sehe er derzeit aber nur geringe Chancen, an diesem Termin zu einer Einigung zu kommen, betonte Schmoldt. „Ich stelle bei den Arbeitgebern einen erheblichen Realitätsverlust fest“, sagte er.

Zugleich drohte Schmoldt indirekt mit Streiks gegen Arbeitgeber, die den Flächentarifvertrag in Frage stellen. „Wer auf Arbeitgeberseite mit dem Gedanken an einen Ausstieg aus dem Flächentarif spielt, muss wissen, dass wir uns solche Betriebe notfalls einzeln vornehmen“, warnte er. Nach Gewerkschaftsangaben haben einige Arbeitgeber in den Verhandlungen mit einem Ausstieg aus dem Flächentarif gedroht, falls der Tarifabschluss in diesem Jahr zu hoch ausfallen sollte.

Die IG BCE war in diesem Jahr ohne konkrete Prozent-Forderung in die Tarifrunde gestartet. Nach den jüngsten Verhandlungen hatte sie ihre Erwartungen auf eine Größenordnung von drei bis vier Prozent eingegrenzt. Der Bundesarbeitgeberverband Chemie hatte den Spielraum am Donnerstag dagegen mit einer Größenordnung von zwei Prozent angesetzt. Anders als etwa in der Metall- und Elektroindustrie laufen Tarifverhandlungen in der Chemieindustrie traditionell konsensorientiert. Daher deutet die neue Tonlage der Gewerkschaft auf ungewöhnlich starke Spannungen zwischen den Tarifparteien hin.

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