Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie
IG Metall stellt höchste Forderung seit 1992

Mit der höchsten Forderung seit 16 Jahren geht die IG Metall in die Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie. Gewerkschaftschef Berthold Huber nannte am Montag nach einer Vorstandssitzung in Frankfurt keine konkrete Zahl, sondern eine Spanne als Forderungsempfehlung.

HB FRANKFURT/BERLIN. Der Korridor belaufe sich auf sieben bis acht Prozent mehr Lohn und Gehalt für die 3,6 Mill. Beschäftigten der deutschen Leitbranche. Die Diskussion in den Betrieben sei noch nicht beendet, erklärte Huber zur Begründung der Spanne. Endgültig festgelegt wird die Forderung erst in zwei Wochen vom Vorstand.

Die Empfehlung an die regionalen Tarifkommissionen liegt trotz sich eintrübender Konjunkturaussichten weit über dem Niveau der vergangenen Jahre; zuletzt hatte die IG Metall im Jahr 1992 mehr als 6,5 Prozent gefordert. Die Verhandlungen beginnen Anfang Oktober.

Unter dem Motto „Es geht um mehr“ will die Gewerkschaft den Abschluss aus dem vergangenen Jahr übertreffen, als sie in zwei Stufen 4,1 und 1,7 Prozent mehr Geld erreichte. Damit solle eine Gerechtigkeitslücke gemindert werden, die die Beschäftigten angesichts steigender Unternehmensgewinne und stagnierender Löhne beklagten, sagte IG-Metall-Chef Berthold Huber zur Begründung.

Huber sprach von einem „ungerechten Aufschwung“, der in der Nachkriegsgeschichte einmalig sei. Die Gewinne der 40 wichtigsten Metall-Unternehmen seien von 2003 bis 2007 um 220 Prozent gestiegen, die Effektivlöhne aber nur um 8,7 Prozent. Auch die Aussichten der Industrie sieht die IG Metall noch relativ rosig und rechnet mit einem Produktionswachstum von bis zu fünf Prozent im kommenden Jahr. Das bedeute zwar kleinere Zuwachsraten, aber keine Rezession. Huber warf den Arbeitgebern „Zweckpessimismus“ vor. Die Forderung sei finanzierbar.

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hat die Forderung der IG Metall nach sieben bis acht Prozent mehr Gehalt in der Tarifrunde 2009 der Metall- und Elektroindustrie kritisiert. Dies sei „unberechtigt und gewaltig überzogen“, sagte Hundt am Montag in Berlin. Die IG Metall müsse mit Augenmaß in die Tarifrunde gehen und „darf die sich abschwächende Konjunktur nicht zusätzlich belasten“.

Die Beschäftigten der Branche seien immer am Erfolg ihrer Unternehmen beteiligt worden. „Die Löhne sind in den letzten Jahren stärker gestiegen als in fast allen anderen Branchen.“ Seit 2006 habe die Metall- und Elektroindustrie 235 000 neue Arbeitsplätze geschaffen. „Nur mit einer maßvollen Tarifpolitik kann dieser erfolgreiche Weg fortgesetzt werden“, sagte der Chef der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA).

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