Tarifvertrag
Verhandlungen um neuen VW-Tarif starten

Volkswagen droht neben dem Dauerärger mit Porsche eine weitere Front. Nach der erwarteten Kündigung des bestehenden Tarifvertrags, der Ende Juli ausläuft, am Freitag durch die IG Metall (IGM), kündigte Niedersachsens Gewerkschaftschef Hartmut Meine eine harte Haltung an - und ließ vorsorglich schon einmal die Säbel rasseln.

HAMBURG. "Das kann durchaus eine schwierige Verhandlungsrunde werden", sagte Meine dem Handelsblatt. "Wir sind sehr selbstbewusst, weil wir sehen, dass VW in der Krise besser dasteht als andere Autokonzerne."

Die Gespräche beginnen am 20. August. Der Gewerkschafter hält einen Abschluss spätestens im Oktober für möglich. Meine lässt vorsorglich die Säbel rasseln: "Wir agieren aus einer Position der Stärke. Notfalls ist die Belegschaft jederzeit kampfbereit." Die Tarifkommission der IG Metall verlangt für die gut 90 000 VW-Beschäftigten der sechs westdeutschen Werke mindestens 4,2 Prozent mehr Lohn - das entspricht dem Abschluss der Metallindustrie. Zudem will die Gewerkschaft die Vereinbarung mit VW verlängern, jedes Jahr 1 250 Ausbildungsplätze bereitzustellen. Erhalten bleiben soll auch das Angebot an Mitarbeiter im Alter von Mitte fünfzig, das Instrument der Altersteilzeit zu nutzen, obwohl der staatliche Zuschuss in Höhe von 20 Prozent ausläuft. "Wir erwarten, dass VW verlängert, auch wenn die staatliche Hilfe wegfällt", sagte Meine, der die Verhandlungen auf Seiten der IG Metall führt.

Ihm gegenüber steht Jochen Schumm, der für die deutschen Beschäftigten des VW-Konzerns zuständig ist. "Wir werden die Forderungen der IG Metall in unseren Gremien diskutieren und uns zu gegebener Zeit äußern", sagte ein VW-Sprecher auf Nachfrage. Unternehmenskreise sehen keine großen Hürden bei der Lohnsteigerung. Konfrontativ dürfte die Debatte über die Altersteilzeit werden, deren Kosten VW komplett tragen soll.

Die IG Metall möchte durch das Nachrücken jüngerer Arbeitskräfte ein "Herausaltern" der Belegschaft, wie sie dem früheren VW-Markenchef Wolfgang Bernhard vorschwebte, verhindern. Beide Seiten wollen in der neuen Tarifrunde den bis Ende 2011 gültigen Beschäftigungspakt nicht anfassen. VW-Kreise deuteten einen neuen strategischen Ansatz an, der die Erfahrungen aus der Finanz- und Wirtschaftskrise berücksichtige.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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