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04.01.2008 
Inder greift nach Traditionsmarke Jaguar

Tata hilft Ford aus der Klemme

Der Niedergang der US-Autoindustrie beschleunigt sich und führt zu einer weltweiten Verschiebung der Kräfteverhältnisse gen Osten. Der finanziell schwer angeschlagene Ford-Konzern gab am Donnerstag bekannt, dass das indische Konglomerat Tata das Milliardenpoker um den Kauf der britischen Automarken Jaguar und Land Rover so gut wie für sich entschieden hat.

Firmenchef Ratan Tata mit dem Modell Indigo XL. Foto: apLupe

Firmenchef Ratan Tata mit dem Modell Indigo XL. Foto: ap

ebe/hz NEW YORK/FRANKFURT. Damit würde sich erstmals ein Autohersteller aus einem Schwellenland zwei weltbekannte Luxusmarken aus der westlichen Welt sichern. Um ein ernst zu nehmender Spieler auf dem Weltmarkt zu werden, müsse Tata seine Ingenieursqualitäten verbessern, betonen Analysten. Der wichtigste Grund der Übernahme sei, dass die Inder mit Jaguar und Land Rover eine globale Standfläche erhielten, sagte Vivek Vaidya, Autoexperte bei Frost & Sullivan in Singapur.


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Ford betonte, dass der Konzern in den kommenden Wochen Verhandlungen mit Tata Motors über die Details eines Verkaufs führe. Der Konzern aus Mumbai setzte sich im Bieterstreit offensichtlich gegen den indischen Konkurrenten Mahindra & Mahindra sowie den Finanzinvestor One Equity durch. Das Gebot für die beiden Prestigemarken soll zwischen 1,8 und 2,2 Mrd. Dollar liegen. "Es liegt immer noch viel Arbeit vor uns, und es wurde noch keine endgültige Entscheidung getroffen", heißt es in einem Schreiben an die Arbeiter von Jaguar und des Geländewagenherstellers Land Rover. Tata wird seit Wochen als Favorit für den Milliardendeal gehandelt, weil das Unternehmen die einflussreichen Gewerkschaften auf seiner Seite hat. In Großbritannien fürchten 15 300 Mitarbeiter herbe Einschnitte, weil insbesondere Jaguar seit Jahren hohe Verluste produziert.

Für Tata Motors, das bisher vor allem simple und billige Kleinwagen produziert, ist die Akquisition mehr als ein Prestigevorhaben. Der Autoproduzent verfolgt eine ehrgeizige Expansionsstrategie. So wollen die Inder mit den klangvollen Marken künftig auch die Oberschicht in Schwellenländern bedienen. Dabei sollen die traditionellen Märkte in Europa und den USA weiter eine zentrale Rolle spielen. Vorangetrieben werden die Wachstumspläne vom ehrgeizigen Konzernchef Ratan Tata, der das Familienunternehmen in den vergangenen Jahren zu einem weit diversifizierten Mischkonzern umgebaut hat. So kaufte die Stahltochter Tata Steel?s Anfang 2007 den britisch-niederländischen Corus -Konzern für etwa 13 Milliarden Dollar.

Ford hatte Jaguar 1989 für 2,5 Mrd. Dollar und Land Rover im Jahr 2000 für 2,75 Mrd. Dollar übernommen und zusammen mit Volvo in seinem Nobelsegment geführt. Der neue Ford -Chef und frühere Boeing -Manager Alan Mulally will das kriselnde Unternehmen auf seine Kernmarke konzentrieren und hatte bereits Mitte 2007 angekündigt, sich von den britischen Herstellern zu trennen. Ford braucht jeden Dollar für die Sanierung seines maroden US-Geschäfts. Der Konzern steckt in der tiefsten Krise seiner über 100-jährigen Geschichte und musste 2006 einen Verlust von fast 13 Mrd. Dollar hinnehmen.


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Mulallys Plan sieht vor, dass Ford im Laufe der Sanierung weitere zwölf bis 14 Mrd. Dollar verbrennen wird, ehe der Konzern 2009 wieder die Gewinnschwelle erreichen soll. Auf diesem Weg hat der Konzernchef weitere Massenentlassungen und Fabrikschließungen in Nordamerika angekündigt: So sollen 16 Werke bis 2012 geschlossen und 45 000 Stellen gestrichen werden. Analysten rechnen damit, dass das nicht einmal reichen wird: Ein empfindlicher Markteinbruch in der zweiten Jahreshälfte 2007 sowie wachsende Rezessionsängste in den USA erschweren die Lage für die gesamte Industrie zusätzlich.

Mit der Trennung von Jaguar und Land Rover beendet Ford einen rund 20 Jahre dauernden Versuch, aus der Fertigung europäischer Luxusautos ein profitables Geschäft zu machen. Bereits im vergangenen Jahr sollten die europäischen Marken ein Drittel des Ford -Gewinns beisteuern. Doch die kühnen Erwartungen erfüllten sich nie. Die Ford -Luxussparte Premier Automotive Group (PAG) steht mit dem Verkauf von Land Rover und Jaguar vor der Zerschlagung. Als einzige namhafte Marke aus der Sparte will der US-Autobauer den schwedischen Hersteller Volvo im Portfolio behalten. Ford hatte bereits im März 2007 die PAG-Luxusmarke Aston Martin für rund 450 Mill. Pfund verkauft.

Britische Politiker und Gewerkschafter hoffen darauf, dass Tata Motor als Teil des mächtigsten Industriekonglomerats Indiens genug Kapital und Geduld besitzt, die Edelmarke wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Jaguars neuer Hoffnungsträger ist die neue Sportlimousine XF, die als Nachfolger des S-Type mit den Platzhirschen Mercedes, BMW und Audi im Nobelbereich konkurrieren soll. Die Limousine, die wohl im Frühsommer auf den Markt kommt, soll mit einer neuen Designlinie Jaguars endgültige Abkehr vom Retrodesign zurückliegender Jahre einleiten.


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Vorstoß in die Luxusklasse

Tata: Hinter Tata Motors steht der Familienclan der Tatas, die ein Firmenimperium in Indien beherrschen – dazu zählen IT-Dienstleister, Stahlproduzenten, Teefabriken, Telekommunikationsfirmen und Uhrenhersteller.

Trophäe: Als Autobauer ist Tata für kleine, billige Autos bekannt. Zuletzt machte Tata mit der Ankündigung des Baus eines Billigautos für umgerechnet weniger als 2000 Euro Furore.

Partner: Tata kooperierte schon mit Mercedes und arbeitet derzeit mit dem italienischen Autobauer Fiat zusammen.

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