Tata Motors
Billigauto Nano verkauft sich schwächer als erwartet

Das billigste Auto der Welt verkauft sich schleppender als erwartet. Das Modell Nano des indischen Autobauers Tata kommt zum Start nur auf rund 200 000 Bestellungen und bleibt damit hinter den Erwartungen zurück. Grund für die niedrigen Absatzzahlen sind die hohen Anzahlungen beim Kauf, sagen Experten.

NEU-DELHI. Die Inder haben ihrem Billigauto Nano bei dem mit Spannung erwarteten Verkaufsstart einen lauwarmen Empfang beschert. Laut Hersteller Tata Motors haben 203 000 Kunden den Nano bestellt. Analysten hatten eine halbe Million und mehr Buchungen erwartet, da der Nano mit einem Basispreis von umgerechnet 1 700 Euro eine Käufergruppe anspricht, die sich bisher kein Auto leisten kann.

Ein Sprecher von Tata Motors be-zeichnete den Verkaufsstart dennoch als ermutigend. Wegen der zunächst niedrigen Produktionszahlen hatte das Unternehmen die Bestellfrist für den Nano auf die Zeit vom 9. bis 25. April beschränkt. Die Buchungen gelten für die ersten 100 000 gefertigten Fahrzeuge. Das Los entscheidet, wer von den Bestellern tatsächlich ein Exemplar des billigsten Autos der Welt bekommt.

Laut Tata Motors entfällt die Hälfte der Buchungen auf die teuerste Version des Nano zum Preis von knapp 2 600 Euro. Nur 20 Prozent der Käufer hätten sich für das Basismodell entschieden. Ausgeliefert werden solle der Nano in Indien ab Juli. Bis Ende 2010 soll es laut Tata dauern, bis alle zugeteilten 100 000 Fahrzeuge produziert sind.

Grund für den schleppenden Start ist, dass der Nano zunächst nur in einem Übergangswerk hergestellt wird. Das eigentlich vorgesehene Werk wird deutlich später fertig als geplant, weil es wegen der Proteste enteigneter Landbesitzer verlegt werden musste.

Dem Nano wird wegen seines niedrigen Preises zugetraut, den Automarkt in Entwicklungsländern wie Indien zu revolutionieren und das Motorrad als Fortbewegungsmittel für breite Bevölkerungsschichten abzulösen. Dass der Verkaufsstart unter den Erwartungen blieb, erklären Analysten unter anderem mit der fehlenden Möglichkeit einer Probefahrt des Nano. Zudem mussten Besteller als Sicherheit rund 80 Prozent des Verkaufspreises hinterlegen, obwohl unklar ist, ob sie das Auto nach dem Losverfahren auch tatsächlich bekommen.

Andererseits war klar, dass der Nano nie wieder so billig sein wird. Der Grundpreis von 100 000 Rupien, zu dem Tata Motors das Auto angeboten hat, liegt unterhalb der Herstellungskosten. Aus Marketinggründen wollte das Unternahmen den bereits vor zwei Jahren versprochenen Preis aber halten. Künftig wird Tata den Nano aber teurer verkaufen müssen.

Bereits bei der Nano-Bestellung sind 95 000 Rupien fällig, also fast der gesamte Kaufpreis. Die ersten 100 000 Exemplare des Autos bringen Tata Motors damit einen Umsatz von umgerechnet rund 380 Mio. Euro. Das Unternehmen kann das Geld gut gebrauchen. Es ist wegen der Übernahme des britischen Herstellers Jaguar Land Rover in akuter Finanznot.

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