Tatas 1 700-Euro-Auto fasziniert Boschs Indien-Chef Albert Hieronimus. Er prophezeit dem Modell Nano einen Erfolg. „Die Inder schaffen einen komplett neuen Markt“, sagt er im Interview. Für Bosch werden Billigautos künftig eine große Rolle spielen. Bereits am Nano ist der deutsche Zulieferer maßgeblich beteiligt.
Handelsblatt: Wird Tatas Ultra-Billig-Auto die Branche wirklich revolutionieren?
Albert Hieronimus: Tata Motors schreibt mit dem Nano Geschichte. In gewisser Hinsicht erfinden sie das Auto neu. Es ist faszinierend: Die Inder schaffen einen komplett neuen Markt, wo vorher keiner war. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses Auto ohne Erfolg bleibt. Bestehenden Modellen macht es keine Konkurrenz, aber Zweirädern.
Winkt dem Nano außerhalb Indiens Erfolg?
Ich sehe enormes Potential, vor allem in China, Südostasien und Afrika. Konsumenten in Schwellenländern haben den selben Mobilitätstraum wie in den Industriestaaten. Sie harren nur auf ein Produkt wie den Fiat 500 oder den Käfer, die bei uns in den 50er Jahren dem Auto einen Massenmarkt eröffnet haben.
Bildergalerie: Das billigste Auto der Welt
Bosch ist mit zehn Prozent des Fahrzeugwerts wesentlich am Nano beteiligt. Was erhoffen sie sich langfristig von dieser Zusammenarbeit?
Billigautos werden für Bosch ein äußerst wichtiges Segment, und in Indien entwickeln wir globale Expertise dafür. Autos für unter 7 000 Euro wachsen in Schwellenländern doppelt so schnell wie der Gesamtmarkt. Weltweit will Bosch damit 2010 eine Mrd. Euro umsetzten.
Wie schnell ziehen andere Zulieferer nach?
Sie werden bald Schlange stehen, um sich an Projekten wie dem Nano zu beteiligen. Sonst laufen sie Gefahr, dass Motorradzulieferer statt ihnen in die Bresche springen.
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Bajaj und Renault
planen bereits ein Auto für 3 000 Dollar. Sind sie daran auch beteiligt?
Wir sind daran sehr interessiert und rechnen uns gute Chancen aus. Aber ich wäre nicht überrascht, wenn bald weitere Hersteller auf diesen Trend aufspringen. Auch die Lücke zwischen Autos für 5 000 und 7 000 Euro wird gefüllt werden.
Bosch liefert die komplette Einspitztechnik sowie wesentliche Teile der Elektronik und der Bremsen für den Nano. Wie drückt man den Preis für diese Komponenten so radikal?
Diese Herausforderung war nur durch Entwicklung in Indien zu meistern, nicht nur wegen den Kosten und der nötigen Nähe zum Kunden. Ingenieure hier verstehen die Marktanforderungen einfach besser. Mit dem Abspecken verfügbarer Technik kommt man nicht weit. Wir mussten für den Nano ein komplett neues Einspritzsystem entwickeln. Dabei haben wir etwa auf Voreinspitz-Vorgänge verzichtet, die vor allem den Lärm mindern. Statt dessen wurde das System auf Robustheit und Verbrauch optimiert.
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