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26.03.2008 
Analysten warnen

Tata Motors wagt heiklen Spagat

von Dirk Heilmann und Carsten Herz

Das indische Industriekonglomerat Tata setzt seine Einkaufstour in Großbritannien fort. Nach dem Teehersteller Tetley und dem Stahlriesen Corus hat das weit verzweigte Familienunternehmen nun die traditionsreichen Automarken Jaguar und Land Rover geschluckt. Nun steht die Autosparte Tata Motors vor einem heiklen Spagat: Analysten fragen sich, wie Sport- und Geländewagen der Luxusklasse zu den Billigautos und Lastwagen des indischen Herstellers passen. In Großbritannien wurde der neue Besitzer der Autowerke hingegen mit offenen Armen empfangen.

Lupe

FRANKFURT. Für die Beschäftigten von Jaguar und Land Rover endet eine längere Periode der Unsicherheit. Der US-Autokonzern Ford Motor beendet mit dem Verkauf an Tata für 2,3 Mrd. Dollar (knapp 1,5 Mrd. Euro) seinen äußerst kostspieligen Ausflug in die Luxusklasse. Er hat mehr als das Doppelte für die beiden Marken bezahlt und außerdem etliche Milliarden Dollar in sie investiert. Die dritte britische Marke, Aston Martin, hat Ford bereits im März 2007 für 450 Mill. Pfund (570 Mill. Euro) an eine Investorengruppe aus Nahost verkauft. Nun bleibt nur Volvo als europäische Luxusmarke übrig.

Jaguar und Land Rover sind die ersten bekannten westlichen Marken, die in indische Hände gelangen. Ford hatte bereits Anfang des Jahres Tata Motors als bevorzugten Bieter ausgewählt. Das Unternehmen ist Indiens führender Lastwagenhersteller, hat aber erst 1999 begonnen, Autos zu bauen. Mit dem Kleinwagen Indica erreichte es vielen Skeptikern zum Trotz einen Marktanteil von rund 20 Prozent. Auf dem Genfer Autosalon stellte Tata Motors vor wenigen Wochen den Billigwagen Nano vor, der mit rund 1 600 Euro halb so viel kostet wie das bisher preiswerteste Auto der Welt.


Bildergalerie Bild für Bild: Welche Premiummodelle Tata in die Erfolgsspur zurückfahren muss


Die klangvollen Luxusmarken Jaguar und Land Rover sollen Tata Motors nun helfen, auch die kaufkräftigen Oberschichten in Schwellenländern anzusprechen. Zugleich muss der Konzern aber sicherstellen, dass das Image der Marken in Europa und den USA nicht leidet. Jaguar etwa erlitt dort seit Jahresanfang einen Umsatzeinbruch von einem Drittel.

Um die Qualität der Produkte zu sichern, hat Tata mit Ford umfangreiche Liefervereinbarungen geschlossen. Ford werde weiterhin Bauteile und Technologien liefern und Forschungs- und Entwicklungsleistungen bereitstellen, teilten die beiden Unternehmen mit. Der US-Konzern werde auch für eine Übergangszeit Finanzierungen für Händler und Kunden bereit stellen.

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Nach guten Erfahrungen mit der Übernahme von Corus durch Tata hatten sich die britischen Gewerkschaften früh für die Inder als neue Besitzer der beiden Automarken ausgesprochen. "Das sind wirklich gute Nachrichten für die britische Autoindustrie und die Beschäftigten und Zulieferer von Jaguar und Land Rover", sagte Roger Maddison, der beim Gewerkschaftsbund Unite für die Autobranche zuständig ist. Tata habe schriftliche Garantien für die fünf Werke abgegeben, was die Beschäftigtenzahlen und Arbeitsverträge anbelange. Bei Jaguar und Land Rover arbeiten 16 000 Menschen. Ford wird außerdem 600 Mill. Dollar in die Pensionskassen einschießen, sobald der Verkauf abgeschlossen ist.

Branchenexperten teilen den Optimismus der Beschäftigten nicht so recht. Jaguar in die Gewinnzone zu führen, sei eine große Herausforderung für Tata, warnen Analysten. Die aktuelle wirtschaftliche Abkühlung in den USA und Großbritannien werde den Absatz von Jaguar und Land Rover schwer belasten. Die Aktie von Tata Motors rutschte am Mittwoch um vier Prozent ab. Finanzchef C. Ramakrishnan kündigte den Verkauf von Beteiligungen an, um den Deal zu finanzieren.

Ratingagenturen drohen, Tatas Anleihen herabstufen. "Ich sehe nicht, wie die zwei Firmen zusammenpassen sollen", sagt Fondsmanager Thiyaga Rajan von Aquarius. Konzernchef Ratan Tata will Tata Motors als Nischenanbieter etablieren - seine Ambition ist es nicht, ein Global Player der Branche zu werden.

Ford spült der Deal Geld für die Sanierung des US-Geschäfts in die Kasse. Vorstandschef Alan Mulally will das kriselnde Unternehmen auf seine Kernmarke konzentrieren. Der Konzern steckt in der tiefsten Krise seiner über 100-jährigen Geschichte und musste 2006 einen Verlust von fast 13 Mrd. Dollar hinnehmen. Erst 2009 will Mulally wieder schwarze Zahlen schreiben. Der frühere Boeing -Manager fährt einen radikalen Sanierungskurs: Er hat angekündigt, bis 2012 in Nordamerika 16 Fabriken zu schließen und rund 45 000 Stellen zu streichen.

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