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19.10.2006 
Unternehmensporträt

Tata: Rastloser Gigant aus Indien

von Oliver Müller

Die Expansionspläne der Tata-Gruppe in Europa markieren einen neuen Höhepunkt in der Internationalisierungsstrategie ihres rastlosen Chefs Ratan Tata. Gleichzeitig zeigt der Versuch Corus zu übernehmen erneut, wie schnell auf dem Subkontinent neue Weltkonzerne entstehen.

NEU-DELHI. Nicht nur Tata Steel ist scheinbar aus dem Nichts gewachsen. Auch der Petrochemieriese Reliance, Pharmahersteller wie Ranbaxay und Dr. Reddy’s, IT-Firmen wie Infosys und Wipro oder der Maschinenbauer Larsen&Toubro sind innerhalb kurzer Zeit zu neuen Schwergewichten in ihrer Branche geworden.

Die Boston Consulting Group hat gleich fünf Tata-Töchter in eine Liste von 100 „Globalen Herausforderern“ aus Schwellenländern aufgenommen: Neben Tata Steel finden sich darauf TCS – Asiens größte IT-Firma – und Tata Motors, der weltweit fünftgrößte Lastwagenhersteller; außerdem die Telekom-Tochter VSNL und Tata Tea.

„Wir gehen nicht auf Großeinkauf, um schnell mehr Umsatz zu machen“, umriss Ratan Tata in einem Handelsblatt-Interview seine Globalisierungsstrategie. Es gehe darum, heimische Kostenvorteile und Know-how mit moderner Technologie, globalen Marken und neuen Märkten und Absatzkanälen zu verzahnen.

Indiens ältestes Industriekonglomerat will in den kommenden drei bis fünf Jahren 26 Mrd. Dollar investieren und geht global auf Einkaufstour: Unter anderem hat er bereits Daewoos Nutzfahrzeugsparte, einen spanischen Bushersteller, Luxushotels in Amerika und Stahlfirmen in Singapur und Thailand übernommen. Zudem baut er Softwarezentren in China sowie Osteuropa und plant Stahlwerke in Iran und Bangladesch. 2002 erwirtschaftete die Gruppe erst 2,5 Mrd. Dollar außerhalb Indiens. 2005 waren es sieben Mrd. Dollar. Dieses Jahr hat Tata bereits Zukäufe im Wert von 1,4 Mrd. Dollar gestemmt. „Aber wir haben mit der globalen Expansion erst begonnen“, verkündete Executive Director Alan Rosling kürzlich.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Einzelne Firmen der Tata-Gruppe sind für ihre soziale Großzügigkeit bekannt – ein Verhalten, das bei westlichen Aktionären manchmal auf Kritik stößt.

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