Tatvorwürfe der schweren Untreue nicht erfüllt
"Wir sind kein Scherbengericht"

In einem der spektakulärsten Wirtschaftsprozesse der Bundesrepublik wurden der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und die fünf weiteren Angeklagten freigesprochen.

HB DÜSSELDORF. Die 14. Große Strafkammer des Düsseldorfer Landgerichts verwarf im Prozess um Millionenprämien und -Abfindungen bei der Übernahme des Düsseldorfer Mannesmann-Konzerns durch den britischen Mobilfunkriesen Vodafone vor vier Jahren den strafrechtlichen Vorwurf der Untreue gegen die Angeklagten, darunter auch Ex-Mannesman-Chef Klaus Esser und der frühere IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel.

„Die Angeklagten werden freigesprochen“, sagte Richterin Brigitte Koppenhöfer am Morgen nach rund halbjähriger Verhandlungsdauer. Koppenhöfer stellte der Urteilsbegründung scharfe Kritik an allen Prozessparteien voran. Sie beklagte in einer persönlichen Erklärung eine massive Einflussnahme durch Politik und Wirtschaft auf den Prozess. Dabei sprach sie von Telefonterror und Schmähbriefen bis hin zu Drohungen. Sie sei überrascht, wie viele Stammtische sich in Deutschland zu diesem Thema gebildet hätten. Politiker aller Parteien und angebliche Gutachter hätten immer wieder falsche Fakten geliefert und zum Teil völlig neue strafrechtliche Tatvorwürfe erfunden wie „die Gefährdung des Wirtschaftsstandorts Deutschland“. Auch sei die Presse in diesem Zusammenhang instrumentalisiert worden, kritisierte die Richterin. In ihrer langjährigen Karriere als Richterin habe sie noch nie derartig viele Versuche der Einflussnahme auf die Entscheidung erlebt.

In diesem Strafgerichtsprozess habe das Gericht aber weder unternehmerische Entscheidungen zu fällen gehabt, noch moralische oder ethische Bewertungen vorzunehmen. „Wir sind kein Scherbengericht für die deutsche Wirtschaft“, betonte die Richterin. „Man muss den Angeklagten nicht alles glauben, darf ihnen aber auch nicht alles unterstellen.“

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