Tausende deutsche Mitarbeiter betroffen
Lafarge verkauft Dachziegel-Sparte an Finanzinvestor

Der weltgrößte börsennotierte Zementhersteller Lafarge verkauft den Großteil seiner Sparte Dachbaustoffe. Betroffen davon sind auch deutsche Mitarbeiter, denn zu der Sparte gehört unter anderem der heimische Dachziegel-Hersteller Braas.

HB PARIS/FRANKFURT. Für 2,4 Mrd. Euro will der französische Baustoffkonzern den Großteil seines Geschäfts mit Dachziegeln, Dachzubehör und Schornsteinen an die Beteiligungsfirma PAI Partners verkaufen, wie der Baustoffriese am Montag in Paris mitteilte. Lafarge wolle jedoch 35 Prozent an der in Oberursel bei Frankfurt ansässigen Sparte behalten und im Verwaltungsrat vertreten bleiben. „Damit unterstreicht Lafarge seine Absicht, auch weiterhin an der Entwicklung im Bereich Dachbaustoffe mitzuwirken und am zukünftigen Erfolg zu partizipieren“, erklärte das Management.

Der Geschäftsbereich Dachbaustoffe litt in den vergangenen Jahren unter dem Preisverfall in Deutschland. Lafarge hatte im Februar den Verkauf von Bereichen angekündigt, die nicht zum Kerngeschäft gezählt werden. Damit soll die Rendite verbessert werden.

Tausende Mitarbeiter in Deutschland

Die unter Lafarge Roofing firmierende Sparte kam im vergangenen Jahr mit rund 12 000 Beschäftigten weltweit auf 1,5 Mrd. Euro Umsatz, wovon 2 600 Mitarbeiter und 329 Mill. Euro Umsatz auf Deutschland entfielen. Von den gut 200 Produktionsstandorten in 45 Ländern weltweit liegen allein 25 in Deutschland. Zu Lafarge Roofing gehören die Dachziegelmarke Braas, der Dachzubehör-Anbieter Klöber sowie der in München ansässige Schornsteinhersteller Schiedel. Die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern würden unverzüglich aufgenommen, teilte Lafarge mit.

Das Angebot von PAI sei die „beste strategische Option“ für die Gruppe, die Aktionäre, für die Sparte und ihre Mitarbeiter, erklärte Lafarge. Der Betrag von 2,4 Mrd. Euro setzt sich zusammen aus 1,96 Mrd. Euro in bar und der Übernahme von Pensionsverbindlichkeiten und Finanzschulden von 420 Mill. Euro. Lafarge verkaufe zunächst 100 Prozent des Geschäfts, werde sich dann aber für 215 Mill. Euro mit 35 Prozent an der neuen Dachbaustoff-Firma erwerben, erläuterte eine Sprecherin.

Großes Interesse an Sparte

An der Sparte waren eine Reihe von Finanzinvestoren interessiert, darunter Daughty Hanson und Kohlberg Kravis Roberts (KKR). Auch der österreichische Baustoffkonzern Wienerberger hatte Interesse angedeutet. Der belgische Ziegelkonzern Etex wurde ebenfalls als ein möglicher Käufer gehandelt.

Der Verkauf des Mehrheitsanteils werde sich positiv auf den Gewinn je Aktie im Jahr 2007 auswirken, kündigte Lafarge an. Der für die Sparte veranschlagte Firmenwert von 2,4 Mrd. Euro entspreche dem Neunfachen des für dieses Jahr erwarteten Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda).

An der Pariser Börse pendelte die Lafarge-Aktie um ihren Schlusskurs vom Freitag bei 108,20 Euro. Analysten äußerten sich positiv. „Der Verkauf war erwartet worden und der Preis bereits in Marktgerüchten kursiert. Dennoch ist die Ankündigung eine gute Nachricht für die Aktie“, hieß es in einer Mitteilung von Oddo Securities. Lafarge konzentriere sich auf sein Kerngeschäft und trenne sich von einem Bereich, der Wert vernichtet habe.

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