Tauziehen um Generikakonzern
Barr stockt Angebot für Pliva auf

Im Übernahmekampf mit dem isländischen Konkurrenten Actavis um den kroatischen Generikahersteller Pliva hat der US-Pharmakonzern Barr eine neue Runde eingeläutet.

HB LONDON. Barr habe bei der kroatischen Finanzaufsicht Hanfa eine geänderte Offerte für den größten osteuropäischen Pharmakonzern eingereicht, teilt das US-Unternehmen am Freitag mit. Barr sei allerdings nach kroatischem Recht untersagt, Angaben über Höhe und Details des überarbeiteten Angebots zu machen, bevor nicht die Hanfa die geänderte Offerte genehmige und veröffentliche. Das neue Angebot läuft am 11. Oktober aus. Bislang hatte Barr 743 Kuna je Aktie (gut 100 Euro) für Pliva geboten und die Firma damit mit 2,3 Mrd. Dollar bewertet.

Analysten hatten bereits erwartet, dass Barr seine Offerte erhöht, nachdem Rivale Actavis seine Angebot für Pliva in der vergangenen Woche um zehn Prozent auf 795 Kuna je Aktie aufgestockt hatte. Das neue Actavis-Angebot bewertet Pliva mit rund 2,5 Mrd. Dollar und übertrumpft das bisherige Barr-Konkurrenzgebot um sieben Prozent. Actavis hat sich bereits mehr als 20 Prozent der Pliva-Anteile gesichert. Die beiden Unternehmen liefern sich bereits seit Wochen ein Tauziehen um den kroatischen Hersteller von Nachahmermedikamenten.

Die Pliva-Aktie notierte am Freitag 1,7 Prozent im Plus bei 850 Kuna und damit fast sieben Prozent über dem Angebot von Actavis.

Der heftig umworbene kroatische Generikahersteller hat seinen Aktionären bislang noch keine konkrete Empfehlung zu einer der beiden Angebote ausgesprochen. Zu der erhöhten Actavis-Offerte äußerte sich Pliva zurückhaltend. Das Actavis-Angebot biete den Aktionären zwar einen „fairen Wert“, urteilte der Pliva-Aufsichtsrat nach einer unabhängigen Beratung durch die Deutsche Bank. Der Aufsichtsrat wies allerdings darauf hin, dass Actavis in Märkten tätig sei, in denen auch Pliva vertreten sei und es Überlappungen im Geschäft gebe.

Bereits vor zwei Wochen, noch vor der Erhöhung der Actavis-Offerte, hatte Pliva auch das Angebot von Barr als fair bezeichnet. Damals erklärte der Konzern zur Barr-Offerte aber zudem, sie biete eine attraktive langfristige Entwicklungsperspektive. Mit der Übernahme durch Barr könne sich die Beschäftigtenanzahl in Kroatien erhöhen, da Barr plane, die Produktionskapazitäten am Standort Zagreb auszubauen. In der Stellungnahme zur erhöhten Actavis-Offerte vom Freitag findet sich dagegen eine solche Erklärung nicht.

Analysten zufolge macht Pliva allerdings kein Geheimnis daraus, dass der Konzern das Barr-Übernahmeangebot bevorzugt. Nach Einschätzung von Raiffeisenbank-Analyst Bernd Maurer hätte Pliva mehr Bedeutung als europäischer Arm von Barr als bei einem Zusammenschluss mit Actavis. „Pliva kann mehr Pliva sein mit Barr als mit Actavis“, sagte er. Pliva rechnet damit, dass der Übernahmekampf bis Jahresende abgeschlossen sein wird. Wer auch immer von den beiden Rivalen letztlich den Zuschlag für Pliva bekommt, wird zum weltweit drittgrößten Hersteller von Nachahmermedikamenten nach den Branchengiganten Teva aus Israel und der Schweizer Novartis aufsteigen.

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