Technischer Fortschritt gefordert
Airbus verwirft offenbar Pläne für A350

Der Flugzeughersteller Airbus steht offenbar kurz davor, die bisherigen Pläne für seinen Langstreckenjet A350 ad acta zu legen und dafür eine komplette Neuentwicklung in Angriff zu nehmen.

FRANKFURT/MÜNCHEN. Das neue Modell könnte rund zehn Mrd. Dollar kosten und wäre damit etwa doppelt so teuer wie die zusehends erfolglose Variante, dem Flugmarkt eine Weiterentwicklung seines Mittelstreckenjets A330 anzubieten. Intern sei die Entscheidung für ein neues 300-sitziges Flugzeug gefallen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg gestern und verwies dabei auf drei Unternehmens-Insider.

Airbus-Vorstandschef Gustav Humbert hatte Ende April betont, man werde in den nächsten Wochen intensiv mit Kunden über mögliche Änderungsvorschläge an der A350 sprechen. Eine völlige Neukonstruktion hatte Humbert ausgeschlossen. Seit Tagen aber verdichten sich die Anzeichen, dass die Airbus-Spitze nach der vernichtenden Kritik einflussreicher Kunden doch einlenkt.

Der Chef der weltgrößten Flugzeug-Leasingfirma ILFC, Steven Udvar-Hazy, hatte gefordert, die A350-Planungen einzustellen und dafür einen technisch fortschrittlicheren Typ auf den Markt zu bringen. Bisher erhielt Airbus nur 100 Aufträge für seinen zweistrahligen Langstreckenjet A350, während der neu entwickelte 787 „Dreamliner“ des US-Erzrivalen Boeing bereits 350 Mal bestellt wurde.

Airbus ist nach einer jahrelangen Erfolgsserie in einem der wichtigsten Marktsegmente unter massiven Druck geraten, weil sich die vierstrahlige Langstrecken-Familie A340 inzwischen kaum mehr verkaufen lässt. Die A340-600, die auch Lufthansa betreibt, erhielt 2005 gerade mal zwölf Orders. Das etwas kleinere Schwestermodell A340-500, das für extreme Langstrecken ausgelegt ist, blieb im Vorjahr sogar gänzlich ohne Bestellung. Branchenexperten gehen davon aus, dass die Ära der mittelgroßen Vierstrahler endet, sollte Airbus tatsächlich ein neues 300-sitziges Flugzeug auf den Markt bringen.

Das Branchenblatt „Flight International“ berichtet von Plänen, Rumpf und Flügel der A350 zu vergrößern und zudem die Triebwerke zu verstärken. Auf diese Weise könnte der neue Airbus-Jet nicht nur gegen die Neuentwicklung Boeing 787 konkurrieren, sondern zudem die Erfolgsserie des Boeing-Langstreckenjets 777 eindämmen. Nachteil: Der Strategieschwenk würde die Entwicklungskosten glatt verdoppeln, weil Airbus dann seine gesamte Endmontagelinie in Toulouse umstellen müsste. Nach dem ursprünglichen Konzept sollten die A350-Jets im gleichen Fertigungsablauf wie ihre Vorgängermodelle A330 und A340 gefertigt werden. Darüber hinaus kommt das Konkurrenzmodell einige Jahre später auf den Markt als Boeings 787 „Dreamliner“.

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