Technologiekonzern
ABB arbeitet profitabler als Siemens

ABB ist nach einer erfolgreichen Sanierung auf dem Weg, bei der Profitabilität seinen deutschen Konkurrenten Siemens in den Schatten zu stellen. Der Schweizer Technologiekonzern hat sich auf zwei Kerngeschäfte konzentriert: die Energietechnik und die Automatisation.

ZÜRICH. ABB hat in Zürich Zahlen für die ersten neun Monate vorgelegt und dabei insbesondere bei der Betriebsgewinnmarge von 8,3 auf 11,4 Prozent stark zugelegt. Analysten hatten die Schweizer leicht schlechter eingeschätzt und gestehen jetzt zu: „ABB hat den Turnaround endgültig geschafft.“ Indiz dafür ist auch, dass der Konzern seinen Verschuldungsgrad im dritten Quartal wieder um zwei Prozentpunkte auf 34 Prozent senken konnte.

Zum guten Eindruck, den ABB in der Gegenwart abliefert, kommen erfreuliche Aussichten für Zukunft. ABB-Konzernchef Fred Kindlekonnte gestern feststellen, dass „noch keine Wolke am Horizont“ zu sehen sei. Der Schweizer Konzern hat sich nach einer tiefen Krise, in die er vor vier Jahren geschlittert war, inzwischen auf zwei Kerngeschäfte konzentriert: die Energietechnik und die Automatisation.

Angesichts dieser Spezialisierung hinkt der Vergleich mit Siemens etwas. Der deutsche Konzern erreichte in den ersten neuen Monaten insgesamt eine Marge von 5,6 Prozent. ist in acht Geschäftsbereiche gegliedert und gleicht damit eher einem Konglomerat, bei dem ein flaues Geschäft in einem Bereich durch starke Leistungen einer anderen Division wettgemacht wird. Wer allerdings aufs Detail schaut, erkennt auch hier einen leichten Vorteil der Schweizer. Deren stärkere Division ist die Energietechnik, die auf eine Betriebsgewinnmarge von mehr als zwölf Prozent kommt. Siemens hat mit Power Transmission and Distribution (PTD) einen vergleichbaren Bereich, der aber auch nach der Übernahme der österreichischen VA Tech deutlich kleiner ist und nur eine halb so hohe Marge erzielt. Die zweite ABB-Sparte, die Automation, ist mit dem Siemens-Bereich Automation and Drives (A+D) vergleichbar. Hier kommen beide Konzerne auf eine Betriebsgewinnmarge vor Steuern von etwa zwölf Prozent.

Bei den Schweizern steckt in diesem Bereich mit der Unterabteilung „Robotik“ ein Sorgenkind, das deutlich geringere Gewinne einfährt und Marktanteile an japanische Firmen verloren hat. Dazu kommt eine schwache Nachfrage aus der Automobilindustrie, die Hauptkunde für die Roboter von ABB ist. Entsprechend verringerte sich der Quartalsumsatz um 34 Prozent auf 281 Mill. Dollar. Die Betriebsgewinnmarge liegt nur noch bei 1,8 Prozent, was ABB mit höheren Ausgaben für Forschung und Technik begründet. Damit sei aber klar, dass ABB den margenschwachen Bereich sanieren und nicht abstoßen will.

Das solide konzernweite Ergebnis führt dazu, dass ABB inzwischen wieder selbst als möglicher Käufer auftreten kann, wenn es um Übernahmen geht. Das Unternehmen werde im nächsten und übernächsten Jahr in dieser Hinsicht aktiver werden, kündigte Kindle an, sah sich aber genötigt hinzuzusetzen: „Übernahmen werden aber auf eine disziplinierte Art und Weise umgesetzt.“

Beruhigend für Anleger dürfte auch sein, dass der Technologiekonzern nach den Worten von Finanzchef Michel Demare eine „nachhaltige Dividendenpolitik“ verfolgen werde. Details nannte er nicht. „ABB wird künftig das Problem haben, zu entscheiden, was es mit all dem Geld macht, das es verdient“, meint Alessandro Migliorini vom Schweizer Analystenhaus Helvea. Die Aktie legte an der Zürcher Börse darauf zeitweise an die drei Prozent zu.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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