Technologiekonzern
Siemens plant milliardenschweren Aktienrückkauf

Der Siemens-Vorstand hat einen milliardenschweren Aktienrückkauf beschlossen. Für drei Milliarden Euro will der Technologiekonzern eigene Papiere einziehen. Unternehmen greifen immer wieder zu diesem Kunstgriff.
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Während andere Konzerne derzeit wegen der wirtschaftlichen Lage ihr Geld eher zusammenhalten, kündigt der Technologiekonzern Siemens den Rückkauf eigener Aktien im Wert von bis zu drei Milliarden Euro an. Das ungewöhnliche an der Aktion: Der Rückkauf solle über langfristige Schulden finanziert werden, wie das Unternehmen am Donnerstag überraschend in München mitteilte.

Die Kapitalstruktur solle „vor dem Hintergrund günstiger Kapitalmarktbedingungen optimiert“ werden. Siemens will 33 Millionen eigene Aktien einziehen. Das Grundkapital wird dadurch von rund 914 Millionen auf 881 Millionen Aktien herabgesetzt. Der Rückkauf soll bis zum Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Der Rest ist für die Ausgabe an Mitarbeiter, Organmitglieder von verbundenen Unternehmen und Mitglieder des Vorstands sowie der Bedienung von Wandel- und Optionsschuldverschreibungen vorgesehen. Basierend auf dem Schlusskurs im Xetra-Handel würden für diese Zwecke noch knapp 11 Millionen Aktien übrig bleiben.

Sorgen macht sich der Finanzvorstand Joe Kaeser wegen der Schulden nicht. „Die Kombination der günstigen Marktbedingungen bei Schuldverschreibungen mit der aktuellen Bewertung der Siemens-Aktien bietet eine sehr gute Möglichkeit, langfristig Wert zu generieren.“

Das Unternehmen nutzte nach eigenen Angaben die Gelegenheit des Zinstiefes und des verhältnismäßig niedrigen Aktienkurses. Ziel sei es, die Siemens-Aktie attraktiver zu machen, sagte ein Sprecher. Da der Rückkauf durch Kredite finanziert werde, bleibe das Unternehmen flexibel für mögliche Übernahmen.

Die "Kurspflege" ist ein Grund, warum Unternehmen Aktien zurückkaufen. Dadurch können die Konzerne auch elegant überschüssiges Kapital loswerden. Manche Experten sehen das aber skeptisch. Aktienrückkaufprogramme zeigten demnach, dass es der Unternehmensleitung nicht gelungen ist, attraktivere interne Investitionsmöglichkeiten zu finden.

So wollte nach der geplatzten Fusion mit der New York Stock Exchange (Nyse) Anfang des Jahres Börsen-Chef Reto Francioni seine Aktionäre mit einem Geldregen bei der Stange halten. Der Schweizer kündigte eine Sonderdividende und ein Aktienrückkaufprogramm an.

Der Markt feiert heute aber die Ankündigung von Siemens. Die Papiere des Münchener Konzerns schoben sich am Freitag an die Dax-Spitze. Die Aktien verteuerten sich gegenüber ihrem Schlusskurs von 68,34 Euro im frühen Geschäft von Lang & Schwarz um 1,7 Prozent. „Das ist auf jeden Mal eine Hausnummer und sorgt für Bewegung nach oben“, sagte ein Händler.

Siemens hatte in der vergangenen Woche die Zahlen für das dritte Quartal des Geschäftsjahres vorgelegt und dabei erklärt, dass es schwierig werde, die Gewinnprognose zu erreichen. Diese hatte der Konzern drei Monate zuvor von 6 Milliarden auf 5,2 bis 5,4 Milliarden Euro reduziert.

Agentur
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Kommentare zu " Technologiekonzern: Siemens plant milliardenschweren Aktienrückkauf"

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  • Die Siemens-Story ist vor lauter Rückzugs-Defensive einfach nur peinlich: Anstatt OFFENSIV die Märkte aufzurollen, übernehmen und wachsen macht der Löscher SEIT JAHREN einen auf Schrumpfkur.

    Der soll mal auf GE schauen - die kaufen derzeit den halben Mittelstandsmarkt in Deutschland zusammen...

    Und wir Rendite-Optimierungs-Kasper lassen uns vor lauter 'trau mich nicht' die besten Chancen für morgen und übermorgen entgehen!

  • 33 Millionen Aktein werden eingezogen. Dann muß Peter im nächstgen Jahr 100 Millionen weniger Dividende ausschütten.
    Die Finanzierung von 3 Mrd Euro kostet bei 6% Zinsen 180 Millionen. Unterm Strich ist das ein Draufzahler.
    Löscher hat am Anfang seiner Amtszeit ein großes Aktenpaket über 80 Euro die Aktie gekauft. Auch sind sonstige Akteinoptionen der Vorstände nichts wert wenn der Kurs unten ist.

    Man sollte Aktien nur Rückkaufen mit Geld das man übrig hat und nicht mit langfristigen Schulden. Alle anderen Microsoft's etc. machen das so.

  • Siemens hat eine Banklizenz:

    http://www.siemens.com/press/de/pressemitteilungen/?press=/de/pressemitteilungen/2010/corporate_communication/axx20100678.htm

    Damit können die sich sicher bei der EZB das Geld zu Sonderkonditionen leihen.

    Clever!!

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