Technologiekonzern

Siemens kauft für Milliarden Aktien zurück

Der Siemens-Vorstand hat einen milliardenschweren Aktienrückkauf beschlossen. Für drei Milliarden Euro will der Technologiekonzern eigene Papiere einziehen. Unternehmen greifen immer wieder zu diesem Kunstgriff.
Update: 03.08.2012 - 11:53 Uhr 14 Kommentare
Ein Siemens-Mitarbeiter montiert Gasturbinen. Quelle: dpa

Ein Siemens-Mitarbeiter montiert Gasturbinen.

(Foto: dpa)

Während andere Konzerne derzeit wegen der wirtschaftlichen Lage ihr Geld eher zusammenhalten, kündigt der Technologiekonzern Siemens den Rückkauf eigener Aktien im Wert von bis zu drei Milliarden Euro an. Das ungewöhnliche an der Aktion: Der Rückkauf solle über langfristige Schulden finanziert werden, wie das Unternehmen am Donnerstag überraschend in München mitteilte.

Die Kapitalstruktur solle „vor dem Hintergrund günstiger Kapitalmarktbedingungen optimiert“ werden. Siemens will 33 Millionen eigene Aktien einziehen. Das Grundkapital wird dadurch von rund 914 Millionen auf 881 Millionen Aktien herabgesetzt. Der Rückkauf soll bis zum Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Der Rest ist für die Ausgabe an Mitarbeiter, Organmitglieder von verbundenen Unternehmen und Mitglieder des Vorstands sowie der Bedienung von Wandel- und Optionsschuldverschreibungen vorgesehen. Basierend auf dem Schlusskurs im Xetra-Handel würden für diese Zwecke noch knapp 11 Millionen Aktien übrig bleiben.

Sorgen macht sich der Finanzvorstand Joe Kaeser wegen der Schulden nicht. „Die Kombination der günstigen Marktbedingungen bei Schuldverschreibungen mit der aktuellen Bewertung der Siemens-Aktien bietet eine sehr gute Möglichkeit, langfristig Wert zu generieren.“

Das Unternehmen nutzte nach eigenen Angaben die Gelegenheit des Zinstiefes und des verhältnismäßig niedrigen Aktienkurses. Ziel sei es, die Siemens-Aktie attraktiver zu machen, sagte ein Sprecher. Da der Rückkauf durch Kredite finanziert werde, bleibe das Unternehmen flexibel für mögliche Übernahmen.

Die "Kurspflege" ist ein Grund, warum Unternehmen Aktien zurückkaufen. Dadurch können die Konzerne auch elegant überschüssiges Kapital loswerden. Manche Experten sehen das aber skeptisch. Aktienrückkaufprogramme zeigten demnach, dass es der Unternehmensleitung nicht gelungen ist, attraktivere interne Investitionsmöglichkeiten zu finden.

So wollte nach der geplatzten Fusion mit der New York Stock Exchange (Nyse) Anfang des Jahres Börsen-Chef Reto Francioni seine Aktionäre mit einem Geldregen bei der Stange halten. Der Schweizer kündigte eine Sonderdividende und ein Aktienrückkaufprogramm an.

Der Markt feiert heute aber die Ankündigung von Siemens. Die Papiere des Münchener Konzerns schoben sich am Freitag an die Dax-Spitze. Die Aktien verteuerten sich gegenüber ihrem Schlusskurs von 68,34 Euro im frühen Geschäft von Lang & Schwarz um 1,7 Prozent. „Das ist auf jeden Mal eine Hausnummer und sorgt für Bewegung nach oben“, sagte ein Händler.

Siemens hatte in der vergangenen Woche die Zahlen für das dritte Quartal des Geschäftsjahres vorgelegt und dabei erklärt, dass es schwierig werde, die Gewinnprognose zu erreichen. Diese hatte der Konzern drei Monate zuvor von 6 Milliarden auf 5,2 bis 5,4 Milliarden Euro reduziert.

  • rtr
  • afp
  • dpa
  • dapd
Startseite

Mehr zu: Technologiekonzern - Siemens plant milliardenschweren Aktienrückkauf

14 Kommentare zu "Technologiekonzern: Siemens plant milliardenschweren Aktienrückkauf"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Siemens-Story ist vor lauter Rückzugs-Defensive einfach nur peinlich: Anstatt OFFENSIV die Märkte aufzurollen, übernehmen und wachsen macht der Löscher SEIT JAHREN einen auf Schrumpfkur.

    Der soll mal auf GE schauen - die kaufen derzeit den halben Mittelstandsmarkt in Deutschland zusammen...

    Und wir Rendite-Optimierungs-Kasper lassen uns vor lauter 'trau mich nicht' die besten Chancen für morgen und übermorgen entgehen!

  • 33 Millionen Aktein werden eingezogen. Dann muß Peter im nächstgen Jahr 100 Millionen weniger Dividende ausschütten.
    Die Finanzierung von 3 Mrd Euro kostet bei 6% Zinsen 180 Millionen. Unterm Strich ist das ein Draufzahler.
    Löscher hat am Anfang seiner Amtszeit ein großes Aktenpaket über 80 Euro die Aktie gekauft. Auch sind sonstige Akteinoptionen der Vorstände nichts wert wenn der Kurs unten ist.

    Man sollte Aktien nur Rückkaufen mit Geld das man übrig hat und nicht mit langfristigen Schulden. Alle anderen Microsoft's etc. machen das so.

  • Siemens hat eine Banklizenz:

    http://www.siemens.com/press/de/pressemitteilungen/?press=/de/pressemitteilungen/2010/corporate_communication/axx20100678.htm

    Damit können die sich sicher bei der EZB das Geld zu Sonderkonditionen leihen.

    Clever!!

  • Siemens sagt sich einfach, dass die eigenen Aktien solider seien als der Euro, außerdem scheint Siemens keine Gelüste zu spüren, Staatseigentum in politisch explosiven Südländern zu kaufen. Alexis Tsipras hat ja schon angedroht, die Käufer von griechischem Staatseigentum bei erst bester Gelegenheit zu enteignen.

    Andererseits darf man nicht verkennen, dass Siemens mit den Aktienkäufen die Cash-Kassen des privaten Großkapitals auffüllen wird - und diesem damit mehr "Spielgeld" für ihr Monopoly in die Hände gibt.

    Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka

    http://www.freitag.de/autoren/dipl.-kfm.-winfried-sobottka/die-wahren-hintergruende-der-euro-krise

  • Schon damals hatte in Techniker Kreisen Siemens den Ruf weg, das es eine Bank mit beiläufigen Elektroladen ist.

  • Sie haben sich im Komma geirrt, Herr Doktor. Siemens hat nicht mal 7,0% Verschuldung.

    Hoffe Sie gucken sonst etwas genauer, bevor Sie Ihre Schlauheit auf andere loslassen.

  • @ DoktorDip

    Was Sie schreiben stimmt. Allerdings, wenn sich die Siemens AG Kredite mit einer Laufzeit von 10 Jahren beschafft - mit Zinsbindung - dann sind denen die zukünftigen Zinsen diesbezüglich egal.

  • Clever schreibt sich mit C. Nicht mit K.

  • Jetzt nehmen wir mal an, die Euro-Krise eskaliert bis zur Kapitalflucht aus der Währung. Um den Euro zu erhalten, wird früher oder später irgendwer (Draghi oder sein Nachfolger) die Zinsen hochfahren müssen.
    Historisch betrachtet haben die Zinsen nur eine Richtung vor sich: rauf. Der Tag wird kommen, wo die Zinsen auch hier in AAA-Deutschland anziehen, dann wird einen zuviel Fremdfinanzierung noch kneifen.

  • Anzahl Aktien * Nennwert der Aktien bei Ausgabe == Eigenkapital einer Aktiengesellschaft

    Das Eigenkapital hat zwar noch ein paar Komponenten, habe aber keine Lust in die Bilanz der Siemens AG zu schauen.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%