Technologielieferanten
Wo deutsche Biotechfirmen Erfolg haben

Bei der Entwicklung eigener Medikamente sieht es mau aus. Doch als Technologielieferanten fahren deutsche Biotechunternehmen durchaus Erfolge ein. Das beweist als jüngstes Beispiel das Hamburger Unternehmen Evotec.
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FrankfurtBei der Entwicklung eigener Medikamente wird die deutsche Biotechindustrie immer wieder durch Fehlschläge belastet. Doch als Service- und Technologiepartner in der Pharmaforschung agiert die Branche erfolgreich.Den jüngsten Beleg dafür lieferte am Freitag die Hamburger Evotec AG, die sich mit dem Schweizer Pharmariesen Roche verbündet hat. Evotec wird Roche eine neue Technologie für die Entwicklung von sogenannten Biomarkern für die Krebstherapie zur Verfügung stellen. Das Hamburger Unternehmen erhält im Gegenzug von Roche eine Vorabzahlung sowie erfolgsabhängige Zahlungen, deren Höhe aber nicht genannt wurden.

Bei Biomarkern handelt es sich um Eiweißstoffe oder Genvarianten, die als Indikator für die genauere Bestimmung von Krebserkrankungen und die Wirksamkeit von Medikamenten genutzt werden. Die Kombination von solchen Markern und Medikamenten sorgt derzeit unter dem Schlagwort „personalisierte Medizin“ für Furore. Fast alle Pharmafirmen setzen inzwischen auf das Konzept und hoffen, wirksamere Krebsmedikamente zu finden. Evotec will bei der Kooperation ein neues Verfahren einsetzen, das man zusammen mit der Münchner Biotechfirma Kinaxo erworben hatte.

Evotec-Chef Werner Lanthaler wertet die Transaktion daher als wichtige Bestätigung für die Technologie von Kinaxo und die Strategie von Evotec, die Onkologieforschung zu stärken. „Wir haben damit die Möglichkeit, auf diesem Gebiet Kompetenz aufzubauen und auf breiterer Front unsere Technologien einzubringen.“

Der Deal ist ein weiteres Indiz dafür, dass deutsche Biotechunternehmen als Technologielieferanten wesentlich erfolgreicher operieren als in der eigenen Medikamentenentwicklung. Evotec etwa musste vor wenigen Wochen die Arbeiten an einem neuen Mittel gegen Depressionen einstellen, weil sich die Rekrutierung von Testpatienten als zu schwierig und die Erfolgsaussichten als zu gering erwiesen. Die Münchner Biotechfirma 4SC präsentierte Anfang Juni enttäuschende Daten für ein potenzielles Rheumamittel. Aufgrund der chronischen Erfolgslosigkeit in der Medikamentenentwicklung tun sich viele Biotechfirmen seit Jahren relativ schwer, neue Investorengelder einzuwerben.

Wesentlich günstiger sieht es dagegen im Service- und Technologiegeschäft aus. Das zeigt die erfolgreiche Entwicklung des Biotech- und Pharmazulieferers Miltenyi Biotec oder der Aufstieg der Hildener Qiagen-Gruppe, die ihre starke Stellung im Bereich der Genanalyse zum Aufbau eines Diagnostikgeschäfts nutzte. Als Musterbeispiel in dieser Hinsicht gilt die Münchener Morphosys AG. Das gemessen am Börsenwert zweitgrößte deutsche Biotechunternehmen ist spezialisiert auf die Entwicklung von Antikörpern, einer speziellen Klasse von Eiweißmolekülen, die mittlerweile eine relativ große Rolle im Pharmageschäft spielen.

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  • Die Evotec AG gab am 27.06.2011 das Erreichen spezifischer Erfolgkriterien in ihrer Ionenkanal-Forschungskollaboration mit Ono Pharmaceutical Co., Ltd. (Ono) und den Erhalt einer Meilensteinzahlung bekannt. Es geht doch.

  • Der Autor vergisst in seinem Artikel zu erwähnen, dass die Erfolgswahrscheinlichkeit bei der Medikamentenentwicklung insgesamt sehr gering ist. Dies relativiert die als "chronische Erfolglosigkeit" beschriebenen Mißerfolge massiv. Mann sollte beachten, dass max. 10% der Projekte, die in die klinische Forschung gehen, später zugelassen werden. Und auch in Deutschland gab es schon einige Zulassungen von Biotechs (MediGene's Veregen, Fresenius Biotech + einige auslizenzierte Projekte von Biotechs die nicht genug Geld für die eigene Weiterentwicklung hatten). Die großen Erfolge in den richtig großen Indikationen gibt es noch nicht - dies liegt aber daran, dass deren Entwicklung sehr teuer ist. Firmen wie OSI, Medarex etc. haben >1 Mrd. an Venture Capital bekommen. In Deutschland undenkbar. Diesen Zusammenhang (mehr input, mehr output) vergisst der Autor komplett. Schade - und wieder nur klagen wir Deutschen, wie schlecht doch alles sei...

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