Teil des Sparprogramms
EADS streicht Verwaltung zusammen

Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS setzt sein milliardenschweres Sparprogramm um. Als erstes trifft es die Mitarbeiter in den Zentralen in München und Paris. Doch auch im restlichen Konzern wird es harte Einschnitte geben, um das Unternehmen nach dem Debakel um den Airbus A380 wieder auf Kurs zu bringen.

HB MÜNCHEN/PARIS. Der Vorstand habe die Streichung von 10 Prozent der gut 660 Stellen in den beiden Hauptquartieren beschlossen, sagte ein EADS-Sprecher am Freitag. Ob für den Stellenabbau betriebsbedingte Kündigungen nötig seien, sei noch nicht entschieden. „Es wird sicherlich die natürliche Fluktuation genutzt“, sagte der Sprecher. Er betonte, dass zur finanziellen Entlastung der durch Airbus ausgelösten Krise auch die anderen EADS-Bereiche ihren Beitrag leisten müssten. „Das Problem A380 ist nicht nur ein Problem von Airbus, sondern von EADS“, sagte er.

Neben dem Stellenabbau in den beiden Zentralen würden zudem die Gehälter des Top-Managements eingefroren. „Es gibt zumindest für das nächste Jahr eine Null-Runde“, sagte er. Betroffen seien mehrere Hundert Manager. Die Maßnahmen seien Teil des beschlossenen Sparkurses.

EADS ist wegen der Produktionsprobleme bei ihrer Flugzeugbau-Tochter Airbus in Schwierigkeiten geraten. Airbus hatte Anfang Oktober angekündigt, dass sich die Auslieferung des weltgrößten Passagierflugzeugs A380 nochmals um ein Jahr verzögert. Damit müsssen die Kunden nun beinahe zwei Jahre länger als ursprünglich vereinbart auf ihre Maschinen warten. Der EADS-Konzern rechnet bis 2010 mit Belastungen von knapp 5 Mrd. Euro aus den Verzögerungen: zum einen wegen Schadenersatzzahlungen an die Fluggesellschaften, zum anderen wegen ausbleibender Gewinne.

Um das Loch zumindest teilweise zu stopfen, hat Airbus ein 2 Mrd. Euro schweres Sparprogramm aufgelegt, genannt „Power 8“. Dieses sieht Einsparungen im Einkauf, eine effizientere Produktion und den Abbau von Stellen in der Verwaltung vor. In Deutschland soll im Rahmen der bisher verkündeten Maßnahmen die Zahl der Leiharbeiter von 7 300 auf 6 300 reduziert werden. Fest angestellte Beschäftigte in den Werken sollen von den Streichungen aber verschont bleiben.

Umständliche Produktion

EADS prüft derzeit die Fertigungstiefe bei Airbus. Denn anders als der Konkurrent Boeing stellt Airbus seine Komponenten zumeist selbst her und trägt das Währungsrisiko. Auf dem Prüfstand steht zudem die Arbeitsteilung zwischen den 16 europäischen Airbus-Werken. Der heikelste Punkt ist aber die Frage nach der zukünftigen Endmontage.

So wird die A 320-Familie bislang in Hamburg und Toulouse gebaut, ebenso wie der Riesenairbus A 380. Eine Überlegung zielt darauf ab, die gesamte Fertigung des Riesenfliegers nach Toulouse zu holen. Das stößt aber auf den entschiedenen Widerstand der deutschen Politik, die Hamburg als Endmontagestandort mit hohen Subventionen gegen erheblichen Widerstand in der Bevölkerung durchgesetzt hat.

Lieferverzögerungen beim Großraumjet A380 verursachen bei EADS bis 2010 operative Gewinneinbußen von 4,8 Mrd. Euro. In Folge dessen wurden Befürchtungen laut, dass es vor allem bei Airbus in Deutschland zu massiven Jobverlusten kommen könnte. Airbus will die Krise zunächst ohne Kündigungen der Stammbelegschaft in Deutschland bewältigen. Von 1000 der 7300 Leiharbeitern trennte sich der Flugzeugbauer aber. EADS beschäftigt weltweit 113 000 Mitarbeiter.

ked/leh REUTERS

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