Teile sollen an die Börse
Bayer plant radikalen Umbau

Der Leverkusener Bayer-Konzern bestätigte am Freitag die Informationen des Handelsblattes, wonach das Unternehmen den Rückzug aus dem Chemiegeschäft vorbereitet und sich von Teilen seiner Kunststoffaktivitäten trennen will. Der bisherige Pharma- und Chemiekonzern bricht somit seine traditionelle Konglomeratsstruktur auf und kommt jahrelangen Forderungen von Investoren und Branchenexperten nach.

HB LEVERKUSEN. "Das ist das Gegenteil von einer Verzweiflungstat. Wir gestalten die Zukunft unseres Konzerns und konzentrieren uns auf Wachstumsmärkte", erläuterte Konzernchef Werner Wenning am Freitag auf einer Telefonkonferenz den Schritt. Bis Anfang 2005 will Bayer Teile seiner Chemie- und Polymergeschäfte an die Börse bringen. Die zuletzt krisengeschüttelte Pharma-Sparte soll dagegen nun doch eigenständig weitergeführt werden. Vorstandschef Wenning hatte nach Reuters-Informationen die Suche nach einem Partner wegen fehlender Optionen bereits vor Wochen aufgegeben. Die Bayer-Aktie war zum Wochenschluss mit einem Plus von zeitweise mehr als acht Prozent mit Abstand größter Kursgewinner im Deutschen Aktienindex.

Bayer Chemicals - mit Ausnahme der Gesellschaften H.C. Starck und Wolff Walsrode - sowie aus dem Arbeitsgebiet Polymere die Bereiche Styrenics, Teilkristalline Thermoplaste, Fasern und die Kautschukaktivitäten werden in eine eigene Gesellschaft übertragen. Die neue Firma mit dem Arbeitstitel "NewCo" werde einen Umsatz von 5,6 Mrd. ? und 20 000 Beschäftigte haben, gab Bayer im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung bekannt. Von dem Konzernumbau sollen auch die Beschäftigten profitieren: Das Unternehmen werde nun wohl 1000 Stellen weniger streichen als bislang geplant. Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat hätten dem Schritt zugestimmt, teilte Bayer mit. Ursprünglich sollten bis zum Jahr 2005 noch 7600 Stellen wegfallen. Zuletzt hatte der Konzern noch 117 500 Beschäftigte, 5100 weniger als zu Jahresbeginn.

"Von der Trennung werden sowohl Bayer als auch NewCo profitieren, denn ein Gang an die Börse hat eine hohe Attraktivität für Aktionäre und Mitarbeiter", erläuterte Vorstandschef Wenning. Bayer könne sich nach erfolgter Aufteilung mit einem Umsatz von dann rund 22 Mrd. ? stärker auf seine Kerngeschäfte konzentrieren. Aktuell erzielt der Konzern einen Jahresumsatz von 29,6 Mrd. ?. Chef der neuen Gesellschaft NewCo werde Axel Claus Heitmann (44).

Das Unternehmen werde eine Nettoverschuldung von 1,5 bis zwei Mrd. ? aufweisen, der operative Gewinn (Ebitda) liege bei rund 500 Mill. ?, sagte Wenning. Die Chemie-Gesellschaften H.C. Starck und Wolff Walsrode, die unter anderem im Geschäft mit Cellulose und keramischen Pulvern tätig sind, werden nicht verkauft.

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