Teillösung in der kommenden Woche angestrebt
Opel-Gespräche gehen in heiße Phase

Bereits in der kommenden Woche könnte es bei den Verhandlungen um einen drastischen Stellenabbau beim Autohersteller Opel zu einer ersten Teillösung kommen. Im Zentrum steht dabei die Einrichtung einer Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft für die einzelnen Standorte sowie ein Programm zum freiwilligen Ausscheiden aus dem Unternehmen.

HB RÜSSELSHEIM. „Die Gespräche gehen in eine heiße Phase“, sagte Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz am Freitag. Etwas vorsichtiger äußerte sich das Management. „Wir halten uns noch zurück“, sagte ein Sprecher der Adam Opel AG in Rüsselsheim. „Wir stecken mittendrin in den Verhandlungen, aber es gibt positive Signale.“

Der Mutterkonzern General Motors (GM) will europaweit bis zu 12 000 Arbeitsplätze streichen, davon rund 10 000 an den Opel- Standorten Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern. Der Betriebsrat fordert den Verzicht auf Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen. Mit den Vorschlägen für eine Transfergesellschaft und Abfindungen sollen Entlassungen verhindert werden. „Das kostet allerdings Geld, das General Motors bereitstellen müsste“, sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Bochumer Opel-Werks, Rainer Einenkel. Der GM-Verwaltungsrat will am kommenden Dienstag (7.12.) in Detroit über die Pläne beraten. Am Donnerstag sollen die deutschen Belegschaften dann vom Betriebsrat über das Ergebnis informiert werden.

Als weitere Alternative zu betriebsbedingten Kündigungen wird neben einer Beschäftigungs- oder Qualifizierungsgesellschaft die Gründung von Gemeinschaftsunternehmen mit Zulieferern erwogen, die dann auch anderen Automobilbauern ihre Dienste anbieten könnten. Am Standort Kaiserslautern waren Verhandlungen mit dem Thyssen-Krupp-Konzern für mehrere Tausend Beschäftigte in der Teilefertigung vor einiger Zeit bereits weit fortgeschritten, dann aber abgebrochen worden, hieß es bei Opel. GM will die Kosten bei seinen europäischen Töchtern Opel, Saab und Vauxhall um insgesamt 500 Mill. € pro Jahr senken.

Sollte der Stellenabbau geringer als von GM vorgesehen ausfallen, müssten die übrigen der rund 33 000 Beschäftigten in Deutschland wohl hohe Einschnitte in Kauf nehmen. Das Opel-Management hatte angesichts der immensen Verluste des Unternehmens bereits vor einigen Monaten eine Liste mit Vorschlägen wie der Streichung übertariflicher Leistungen, dem Verzicht auf Lohnerhöhungen und der Verlängerung der Arbeitszeiten vorgelegt. Eine Wiedereinführung der 40-Stunden-Woche gilt als unwahrscheinlich, da etwa im Stammwerk Rüsselsheim wegen geringer Auslastung derzeit nur 30 Stunden gearbeitet werden. Eher kommt daher eine unternehmensweite Flexibilisierung der Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich in Frage.

Das Gesamtpaket für eine Verhandlungslösung ist zusätzlich mit der Standortentscheidung über den Bau der künftigen Mittelklasse des Konzerns (Opel Vectra, Saab 9-3) verknüpft. Sie soll entweder in Rüsselsheim oder bei Saab im schwedischen Trollhättan gefertigt werden. GM will darüber nach bisherigen Angaben erst Anfang 2005 entscheiden, während ein Ergebnis in puncto Stellenabbau nun noch vor Weihnachten möglich scheint.

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