Teilverkauf
Ex-Chef bietet für Thyssen-Sparte

Die Vorbereitungen für den Verkauf der Dienstleistungstochter von Thyssen-Krupp geht in die heiße Phase. Der Bieterprozess für Industrial Services soll im Januar kommenden Jahres anlaufen, und noch zum Ende des ersten Quartals könnte ein Käufer bestimmt werden, erfuhr das Handelsblatt aus dem Umfeld des Industriekonzerns.

MARTIN MURPHY | DÜSSELDORF

Die Vorbereitungen für den Verkauf der Dienstleistungstochter von Thyssen-Krupp geht in die heiße Phase. Der Bieterprozess für Industrial Services soll im Januar kommenden Jahres anlaufen, und noch zum Ende des ersten Quartals könnte ein Käufer bestimmt werden, erfuhr das Handelsblatt aus dem Umfeld des Industriekonzerns. Neben strategischen Interessenten wollen sich Finanzinvestoren an dem Verkaufsprozess beteiligen.

Darunter befindet sich den Kreisen zufolge auch der frühere Thyssen-Chef Dieter Vogel, der als Europachef von Lindsay Goldberg & Vogel (LGV) eine Offerte abgeben wolle. Vogel kennt sich im Stahlgeschäft aus. Nachdem er im Jahr 1998 den Vorstandsvorsitz von Thyssen abgegeben hatte, übernahm er mit LGV den Stahlhändler Klöckner & Co, den er später an die Börse brachte.

Der Finanzinvestor LGV hat kürzlich einen Fonds über 4,5 Mrd. Dollar geschlossen und verfügt damit über ausreichend Mittel für eine Übernahme der Thyssen-Sparte. Dies ist auch nötig, denn mit der Finanzkrise sind die Banken bei der Kreditvergabe für Akquisition zurückhaltender geworden. Transaktionen, bei denen die Institute zwei Drittel oder mehr finanzieren, gehören der Vergangenheit an. LGV sei daher bereit, über die Hälfte des Kaufpreises aus eigenen Mittel zu stemmen, hieß es.

Den Transaktionswert hatte der Finanzvorstand von Thyssen-Krupp, Ulrich Middelmann, in der vergangenen Woche auf über eine Mrd. Euro beziffert. Neben dem Kaufpreis umfasst dieser die Übernahme von Schulden, zu deren Höhe Middelmann keine Angaben machte. Im Umfeld des Verkaufsprozesses wurde ein Erlös in dieser Größenordnung als realistisch eingestuft.

Das Unternehmen hatte Ende August die Sparte Industrial Services mit 23 000 Beschäftigten zum Verkauf gestellt und die Trennungsabsicht damit begründet, dass es keine Synergien mit dem restlichen Konzern gibt. Die zu dem Bereich gehörenden Stahlservice-Aktivitäten mit einem Jahreserlös von rund 300 Mio. Euro behält Thyssen-Krupp.

Ohne dieses Geschäft kam Industrial Services zuletzt auf einen Umsatz von 1,7 Mrd. Euro, was einen leichten Zuwachs gegenüber dem Vorjahr darstellte. Zulegen konnte die Sparte in Deutschland, in Brasilien und in den USA.

Der operative Gewinn von Industrial Services liege bei rund 130 Mio. Euro und damit über dem Branchendurchschnitt, heißt es aus dem Umfeld der an den Verkaufsgesprächen Beteiligten. Thyssen-Krupp nennt keine Zahlen zur Ergebnisentwicklung, betonte aber, dass Industrial Services "hochprofitabel" sei.

Ursprünglich habe der Konzern den Verkaufsprozess in diesem Jahr anstoßen wollen, allerdings machte die Finanzkrise Thyssen-Krupp einen Strich durch die Rechnung. Der Start der Transaktion sei daher auf Januar verschoben worden, wenn etwas Ruhe eingekehrt sein dürfte und die Finanzinvestoren wieder leichter an Kredite kämen, hieß es im Konzernumfeld.

Als strategischer Investor brachte sich die Babcock Rohrleitungs GmbH ins Spiel: Mit dem russischen Partner Transneft will das von der Familie Kazinakis kontrolliert Unternehmen bieten, wie Konstantinos Kazinakis dem Handelsblatt sagte.

Industrial Services gilt mit seinem Kundenkreis, der sich aus Unternehmen aus den Branchen Chemie, Energie, Bau und Metallerzeugung zusammensetzt, als solider Erlösbringer. Für die Kunden erbringt die Thyssen-Tochter eine Reihe von Dienstleistungen wie etwa Wartung und Reinigung von Industrieanlagen sowie Werkschutz. Zunehmend versucht der zum Verkauf stehende Ableger, in die Vorstufe von Produktionsabläufen vorzudringen. So montierten Mitarbeiter der Thyssen-Sparte für Opel Reifen auf Felgen. Mit der Krise in der Automobilindustrie werde eine Erweiterung des Dienstleistungsangebots in diese Richtung aber erschwert, sagte ein Unternehmensberater.

Mitarbeit: Sören Iwersen

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