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Teldafax: Drei Klagen gegen Bayer Leverkusen

exklusivSportlich läuft es derzeit super für die Mannschaft von Rudi Völler. Doch sein Werbeslogan „Wechseln is’n Klax. Mit Teldafax!“ kommt den Verein teuer zu stehen. Viel teurer, als Bayer Leverkusen dies wahrhaben will.

Ein Werbeplakat mit dem Fußballmanager Rudi Völler für den Billigstromanbieter Teldafax: Der Insolvenzverwalter des untergegangenen Unternehmens fordert hohe Rückzahlungen von Bayer Leverkusen. Quelle: dapd
Ein Werbeplakat mit dem Fußballmanager Rudi Völler für den Billigstromanbieter Teldafax: Der Insolvenzverwalter des untergegangenen Unternehmens fordert hohe Rückzahlungen von Bayer Leverkusen. Quelle: dapd

DüsseldorfBeim Fußball-Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen herrscht offenbar große Verwirrung darüber, wie schwer die Altlast aus der Kooperation mit dem Skandalunternehmen Teldafax wiegt. Wie Bayer am Montag mitteilte, belaufe sich die Rückforderung des Insolvenzverwalters von Teldafax auf 4,4 Millionen Euro – nur ein Bruchteil der gut 16 Millionen Euro also, die der Teldafax-Insolvenzverwalter Biner Bähr bisher gegenüber Gläubigern angegeben hatte. Für Bayer wäre dies eine große Entlastung.

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Recherchen des Handelsblatts aber ergaben, dass Bayer sich keine großen Hoffnungen machen sollte. Der Verein geht laut eigenen Angaben bisher davon aus, dass es zwei Klagen des Insolvenzverwalters gibt. Dies ist zu kurz gedacht. Die weitaus größte Forderung steckt in einer dritten Klage, von der Bayer offenbar noch gar nichts weiß.

Durch die teils undurchsichtige Aufstellung der Unternehmensgruppe erstreckte sich die Zusammenarbeit zwischen Teldafax und Bayer 04 über drei Gesellschaften des inzwischen untergegangenen Billigstromanbieters  Die erste Klage des Insolvenzverwalters stammt aus der Geschäftsbeziehung zwischen Bayer 04 Leverkusen und der Teldafax Services GmbH und beläuft sich auf 1,92 Millionen Euro. Die zweite Forderung stammt aus der Beziehung zur Teldafax Holding AG – und wird mit 2,43 Millionen Euro beziffert. Die größte Klage aber trifft die Zahlungen der Teldafax Marketing GmbH an Bayer – hier stehen 11,7 Millionen Euro im Feuer. Weder Bayer noch der Insolvenzverwalter wollten sich zu den Details der Klage äußern.

Chronologie Teldafax & Bayer 04

  • August 2007

    Die Partnerschaft zwischen Teldafax und Bayer 04 Leverkusen beginnt. Teldafax zahlt Leverkusen durchschnittlich rund sechs Millionen Euro pro Saison. Geschäftsführer Holzhäuser sagt: „Wir haben eine junge und ausbaufähige Mannschaft und Teldafax ist ein aufstrebendes Unternehmen mit einem pfiffigen Geschäftsmodell in einem modernen Marktsegment. Dies verbindet uns.“

  • April 2009

    Teldafax verlängert den Sponsoringvertrag mit Bayer Leverkusen, der noch bis zum 30. Juni 2010 läuft, vorzeitig um drei weitere Jahre.

  • September 2009

    Teldafax beauftragt die Rechtanwaltskanzlei Görg mit der Erstellung eines „Unternehmensstatus unter insolvenzrechtlichen Aspekten.“ Die Kanzlei Görg empfiehlt dem Teldafax-Vorstand, „im Moment – da die Insolvenzreife des Konzerns – mit hoher Wahrscheinlichkeit (ggf. schon länger) gegeben ist, alle Zahlungen zu stoppen, es sei denn, die Nichtzahlung würde zu einem sofortigen Zusammenbruch des Geschäftsbetriebs führen. Leisten Sie dennoch Zahlungen an einzelne Gläubiger in Kenntnis der Insolvenzreife, machen Sie sich als Vorstand/Geschäftsführer schadenersatzpflichtig.“

  • Herbst 2009

    17. September 2009

    Eine Teldafax-Delegation um Marketing-Chefin Claudia Nowak besucht Bayer 04 Leverkusen und erklärt Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser, dass Teldafax seine Sponsoringraten nicht zahlen kann. Teldafax bittet um eine Stundung.

    12. Oktober 2009

    Rechtsanwaltskanzlei Görg schreibt einen letzten Brief an den Teldafax-Vorstand: „Sofern Sie noch bei einer eventuellen Antragsstellung gegenüber dem Insolvenzgericht Hilfestellung benötigen, stehen wir hierfür gern zu Verfügung.“

    14. Oktober 2009

    Bayer 04-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser schreibt an Teldafax und beschwert sich, dass die Bedingungen aus der ersten Stundungsvereinbarung von Teldafax nicht eingehalten wurden. Er fordert die Zahlung der vereinbarten Sponsoringraten. Teldafax zahlt. Außerdem wird vereinbart, dass Bayer kündigen kann, wenn Teldafax künftig in Verzug gerät. Teldafax muss dann laut Ergänzungsvertrag 6,4 Millionen Euro Vertragsstrafe zahlen.

  • Juli 2010

    1. Juli 2010

    Teldafax kann die Halbjahresrate in Höhe von 3,9 Millionen Euro für das Sponsoring von Bayer 04 Leverkusen für die Hinrunde der Fußball-Bundesliga 2010/2011 nicht zahlen.

    17. Juli 2010

    Teldafax und Bayer 04 Leverkusen schließen eine erneute Stundungsvereinbarung. Teldafax darf die Forderungen des Fußballligisten monatlich abstottern.

  • Herbst 2010

    20. Oktober 2010

    Das Handelsblatt berichtet, dass Teldafax einem Schneeballsystem gleiche und von einem verurteilten Anlagebetrüger aus dem Gefängnis heraus gesteuert wird.

    21. Oktober 2010

    Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser lobt Teldafax für die gute Zusammenarbeit mit Bayer und betont, Bayer wolle bis 2013 Partner von Teldafax bleiben. Rudi Völler sagt: „Teldafax bleibt auf unserer Brust!“

    29. November 2010

    Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf leitet ein Ermittlungsverfahren gegen Führungskräfte von Teldafax ein.

  • Frühjahr 2011

    10. März 2011

    Wolfgang Holzhäuser schreibt einen Brief an die neuen Teldafax-Gesellschafter Sigma Citation Strategies und CPA Invest, in dem er auf eine Klausel im Vertrag mit Teldafax hinweist. Bei einem Eigentümerwechsel habe Bayer 04 Leverkusen nämlich die Option, aus dem Vertrag auszusteigen. Außerdem werde die noch ausstehende Sponsoringsumme von 1,6 Millionen Euro für die Saison 2010/11 sofort fällig.

    12. April 2011

    Das Hauptzollamt Köln entzieht Teldafax die Erlaubnis zur Leistung als Stromversorger.

  • 14. Juni 2011

    Teldafax stellt einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Bonn.

  • April 2013

    Bayer Leverkusen weigert sich seit eineinhalb Jahren, die kassierten Millionen zurückzuzahlen. Der Teldafax-Insolvenzverwalter Biner Bähr reicht deshalb beim Landgericht Köln eine Klage über 16 Millionen Euro plus Zinsen ein.

Der Insolvenzverwalter begründet seine Gesamtforderung von 16 Millionen Euro plus Zinsen damit, dass dieses Geld zwischen 2009 und 2011 von Teldafax an Bayer 04 floss – einem Zeitraum also, als Teldafax bereits überschuldet war und Bayer von der Schieflage seines Geschäftspartners wusste. Schriftverkehr belegt, dass der Geschäftsführung Wolfgang Holzhäuser sich schon im Oktober 2009 über ausbleibende Sponsoring-Raten von Teldafax beklagte. Trotz aller Alarmzeichen aber kassierte Bayer weiter, betrieb Werbung für Teldafax und half so, zehntausende neuer Kunden in das Schneeballsystem zu locken. Erst im Mai 2011 kündigte Bayer den Vertrag, im Juni meldete Teldafax Insolvenz an. Der Schaden der Gläubiger liegt bei 500 Millionen Euro.

  • 08.05.2013, 06:44 UhrFTFT

    Leverkusen hat die 16 Millionen schon zurückgelegt aus den Vidal einahmen und den einahmen aus der cl des letzen Jahr! Und sie können mir Glauben das die Bayer AG genau weiß was sie tut. Die werden schon ihre besten Anwälte rausschicken!

  • 07.05.2013, 16:39 Uhrx563tgc

    Für mich stellt sich die Sache ganz klar dar. Hier hat der Insolvenzverwalter auf Zeit gespielt. Seit vergangenen Samstag steht fest, dass Bayer Leverkusen in der nächsten Saison in der Champions League spielt und garantierte Einnahmen von 20 Millionen EUR verbuchen kann. Jetzt kann sich der Raffzahn (Insolvenzverwalter) genüßlich zurücklehnen und die 16 Mio.+Zinsen einfordern. Ich hoffe aber, dass Bayer 04 die besten Anwälte engagiert und nur ein Bruchteil der Summe zahlen muss. Warum sollte man einem kriminellen System mit einem Versagermanagement erster Güte Geld hinterherschmeißen. Die 20 Mio kann Leverkusen gut in neue Spieler investieren.

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