Teldafax
Ex-Geheimdienstkoordinator half Gründer Josten

Bernd Schmidbauer setzte sich für den wegen Anlagebetrugs verurteilten Michael Josten ein und warb um Haftverschonung. Jedoch scheiterten alle Bemühungen. Heute relativiert der längjährige Bundestagsabgeordnete und einistige Geheimdienstkoordinator seinen Einsatz.
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DÜSSELDROF. Der langjährige Bundestagsabgeordnete und einstige Koordinator für die deutschen Geheimdienste, Bernd Schmidbauer, hat sich ab 2008 für den wegen Anlagebetrugs verurteilten Teldafax-Gründungsvorstand Michael Josten eingesetzt. Das bestätigte der ehemalige Staatssekretär Helmut Kohls dem Handelsblatt auf Anfrage.

Jedoch scheiterten alle Bemühungen. Josten wurde im April 2010 in der Schweiz festgenommen, seit Juni sitzt er in der Justizvollzugsanstalt Bruchsal ein. Allerdings konnte er schon nach wenigen Wochen als Freigänger seine Geschäfte weiterführen. Erst nach Medienberichten über mögliche Vergehen bei dem Billigstromanbieter, die Ende Oktober veröffentlicht wurden, sitzt Josten ununterbrochen ein. Gegen ihn läuft aktuell eine Anzeige wegen des Verdachts auf Betrug im Zusammenhang mit der Finanzierung von Teldafax über Anlegergelder des Fonds Debi Select.

Wie Bernd Schmidbauer erklärte, bemühte er sich darum, dass der 2007 zu zweieinhalb Jahren Haft ohne Bewährung verurteilte Josten seine Strafe nicht antreten müsste. "Wenn ich damals gewusst hätte, was ich heute weiß, hätte ich natürlich anders gehandelt", sagte Schmidbauer. Er gab an, ihm sei nicht bewusst gewesen, dass Josten sich seiner Haft entzogen hatte, indem er 2008 seinen Wohnort in die Schweiz verlegte. Auch die Einzelheiten des Urteils aus 2007 seien ihm nicht klar gewesen.

Josten hatte in den 90er-Jahren Tausende Immobilienanlegern um insgesamt 35 Millionen Euro gebracht. Das Landgericht Mannheim bescheinigte ihm eine "erhebliche kriminelle Energie und eine besonders habgierige Gesinnung." Schmidbauer wurde nach eigenen Angaben von dem ehemaligen CDU-Spitzenpolitiker Joachim Auer auf den Fall Josten angesprochen. Auer und Josten kannten sich aus ihren Tagen in der Landtagsfraktion der CDU Sachsen-Anhalt. Auer wurde 2008 von Josten als Direktor bei einer Schweizer Teldafax-Firma angestellt.

Das erste Treffen von Schmidbauer und Josten fand 2008 am Rande eines Fußballspiels von Bayer Leverkusen statt. Teldafax ist Hauptsponsor des Bundesligisten. Schmidbauer sagte, er hatte den Eindruck, dass Josten von dem langen Prozess gegen ihn in seiner unternehmerischen Tätigkeit schwer eingeschränkt worden sei. Eine Inhaftierung hielt er für unangemessen. Er habe deshalb mit Jostens Anwalt zusammengearbeitet und entsprechende Empfehlungen bei den Gnadengesuchen Jostens gegeben. Auch eine Klage vor dem Europäischen Menschengerichtshof sei von ihm unterstützt worden. Schmidbauer sagte, er werde sich nicht noch einmal für Josten einsetzen.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

Kommentare zu " Teldafax: Ex-Geheimdienstkoordinator half Gründer Josten"

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  • in Deutschland wird ein rechtskräftig verurteilter Anlage - betrüger zum Freigänger, damit er seine Geschäfte weiterbetreiben kann.

    Die Frage lautet nun: "Was kostet uns diese Justiz jährlich und wollen wir uns das nicht ersparen?"

    Sogar ehemalige DDR-Staatsratsvorsitzende liefen draussen herum. Hatten die auch noch Geschäfte weiterzuführen?

    Hat vielleicht jemand hier "in diesem unseren Lande" vergessen, dass eine von der Gesellschaft ausgesprochene Strafe sehr wohl zur Änderung der Lebensumstände des Missetäters führen darf?

    Was ist das hier für ein Tolhaus geworden?

    Übrigens: Justitzressort = FDP

  • Das wäre wie wenn ein Veganer sich vor die Metzgerinnung stellt und Verständnis bittet!?

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