Teldafax-Prozess: Jetzt erleben die Ermittler ihre eigene Pleite

Teldafax-Prozess
Jetzt erleben die Ermittler ihre eigene Pleite

Der Stromanbieter Teldafax brach vor fünf Jahren überschuldet zusammen. Die Staatsanwaltschaft forderte lange Haftstrafen für die Vorstände. Doch nun lässt das Landgericht Bonn mehrere Anklagepunkte fallen.

Düsseldorf750.000 verzweifelte Kunden und 500 Millionen Euro Schaden hinterließen die Führungskräfte von Teldafax, als ihr Unternehmen im Juni 2011 zusammenbrach. Der Zustand des Billigstromanbieters war so katastrophal, dass Insolvenzverwalter Biner Bähr den Betrieb nur drei Tage später komplett einstellte. Dann kam die Staatsanwaltschaft Bonn. Jetzt scheinen die Ermittler ihre eigene Pleite zu erleben.

Nach knapp zwei Jahren Ermittlungsarbeit hatten die Beamten ihre Anklage fertig. Im Februar 2013 klagten sie die ehemaligen Teldafax-Vorstände Klaus Bath, Michael Josten und Gernot Koch an. Die Vorwürfe lauteten auf Bankrotthandlungen, Insolvenzverschleppungen und gewerbsmäßigen Betrug in 241 Fällen. Es war ein beispielhafter Ausschnitt der vielen tausend weiteren Geschädigten durch das System Teldafax.

Schriftverkehr zeigte, dass die Anklagten selbst schon 2009 Teldafax als zahlungsunfähig bezeichneten. Aber weil sie von den Kunden Vorauskassen nahmen, schleppte sich das Unternehmen Monat für Monat weiter. Die Staatsanwaltschaft forderte deshalb fünf Jahre Haft.

Davon ist nun keine Rede mehr. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft hat das Landgericht Bonn die meisten und schwerwiegendsten Vorwürfe gegen die Angeklagten fallen gelassen. Der gewerbsmäßige Betrug ist passé, eine Insolvenzverschleppung sehen die Ermittler allenfalls für 2009. Für 2010 könne man den Angeklagten wohl lediglich vorwerfen, dass sie ein bisschen schludrig in der Buchhaltung waren und keine Bilanz aufstellten. Keiner der Angeklagten muss mit mehr als einer Bewährungsstrafe rechnen, wenn überhaupt.

Es ist offenbar eine große Müdigkeit, der sich die Staatsanwaltschaft nun ergeben hat. Aus Justizkreisen heißt es, die Ermittler würden das Verfahren lieber heute als morgen einstellen. Dass es voraussichtlich trotzdem bis 2017 weitergeht, ist vor allem dem täglich wachsenden Selbstbewusstsein der Angeklagten zuzurechnen. Vorschläge zu einem für die Staatsanwaltschaft gesichtswahrenden Kompromiss wurden abgelehnt. Die Angeklagten haben Zeit und Geld. Ihre Anwälte zahlt größtenteils die Versicherung, die sie noch zu Teldafax-Zeiten abgeschlossen hatten. Die Anwälte der Beschuldigten waren gestern nicht zu erreichen oder wollten sich nicht äußern.

Zu der Gelassenheit der Angeklagten gesellen sich Pannen bei der Justiz. Das Teldafax-Verfahren begann eigentlich schon im Februar 2014, wurde aber damals sogleich wieder ausgesetzt, weil das Gericht die falsche Kammer zugeteilt hatte. Der Fehler fiel erst auf, als die Verteidiger eine entsprechende Beschwerde einlegten. So hatten die Richter zehntausende von Seiten umsonst gelesen. Andere Richer mussten damit von Neuem beginnen.

Allein das kostete ein Jahr - Zeit, die im Zweifel zu einer Strafminderung führen könnte. Dabei taten sich die neuen Richter mit einer Feststellung eines strafwürdigen Verhaltens eh schon schwer. Am Dienstag verschickte das Landgericht Bonn eine Pressemeldung. „Nach dem bisherigen Ergebnis der Beweisaufnahme“, habe das Gericht festgestellt, dass „keine tragfähigen Feststellungen zu einer möglichen Insolvenzsituation der Teldafax Holding AG für die Jahre 2010 und 2011 getroffen werden können". Mit einer Verurteilung in den 241 Fällen wegen Betrugs sei deshalb nicht mehr zu rechen. Deshalb die Teileinstellung.

Es ist eine Einschätzung, die den Kronzeugen in dem Verfahren praktisch ignoriert. Am 13. Januar 2016 trat Biner Bähr in den Zeugenstand des Landgerichts Bonn. Der Anwalt der Kanzlei White & Case ist seit Juni 2011 Insolvenzverwalter von Teldafax und trug zwei Aktenordner bei sich. Ihr Inhalt: eine akribische Beweisführung, seit wann Teldafax insolvenzreif war und wer davon wusste.

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„Diese Teileinstellung ist nun ein schlechtes Signal“

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