Telefonie
Palm heizt den Smartphone-Sommer an

Am 6. Juni startet Palm mit der Auslieferung seines lang erwarteten Smartphones "Pre". Der Zeitpunkt konnte kaum besser gewählt sein. Während der Gesamtmarkt für Mobiltelefone im ersten Quartal 2009 so stark einbrach wie in keinem Quartal zuvor, stieg der Absatz von so genannten Smartphones ungebremst weiter.

DÜSSELDORF. Nach einem Plus von 12,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 36,4 Mio. Einheiten liegt der Anteil dieser auf Internet und Büroanwendungen spezialisierten Geräte jetzt bei 13,5 Prozent des Gesamtmarktes. Das teilte das Marktforschungsinstitut Gartner heute mit. Für das zweite Halbjahr erwartet Gartner-Analystin Carolina Milanesi im Gespräch mit dem Handelsblatt eine Fortsetzung dieses Trends und einen verschärften Wettbewerb durch eine Vielzahl neuer Android-Telefone und besonders den Markteintritt des Pre, dem heißesten Smartphone seit des das iPhone gibt.

Der Marktstart des mit vielen Vorschusslorbeeren bedachten Pre wird exklusiv für die rund 49 Mio. Kunden des Mobilfunkproviders Sprint erfolgen und alle die, die ihren Provider wechseln wollen. Und das nur zwei Tage bevor Apple auf seiner Entwicklerkonferenz in San Francisco sein neues Betriebssystem 3.0 für das iPhone final präsentieren wird. Neue Geräte, so wie lange spekuliert, dürfte Apple allerdings nicht präsentieren, glaubt Milanesi. Da wiegt ein Punkt dann um so schwerer: "Das Pre", so Milanesi, "ist so nah am iPhone wie kein anderes Gerät zuvor. Es würde mich nicht wundern, wenn Apple Palm deswegen noch vor Gericht zerrt." Das Pre wird als erstes Gerät einen "Multitouch"-Bildschirm haben, so wie das iPhone. Das bedeutet, dass man mit zwei Fingern gleichzeitig Befehle ausführen kann. Apple hält Patente auf diese Art von Technologie und hat bereits - ohne Namen zu nennen - angekündigt, man werde "eigene Rechte" im Zweifel mit allen Mitteln verteidigen. Noch ist allerdings nicht klar, ob Palm mit dem Pre überhaupt Apple-Patente verletzt haben könnte. Die hoch spekulative Palm-Aktie ist seit Jahresbeginn um rund 246 Prozent gestiegen.

Der Gesamtmarkt für Mobiltelefone brach weltweit um 8,6 Prozent auf 269,1 Mio Geräte ein. Dies ist, so Analystin Milanesi, der stärkste Quartalseinbruch seit 2001. Nokia konnte dabei trotz kräftiger Anteilsverluste von 39,1 auf 36,2 Prozent die Marktführerschaft behaupten. Die großen Gewinner waren Samsung und LG. Motorola eroberte den vierten Platz von Sony Ericsson zurück. Das, stellt Milanesi klar, liege aber nicht an einer besseren Performance Motorolas, sondern nur an einer zunehmenden Schwäche Sony Ericssons. Motorolas größte Defizite lägen in der UMTS- und Kameratechnik sowie zu wenig Erfahrung mit Software. Da müsse der frühere amerikanische Marktführer noch aufholen.

Die großen Gewinner des Quartals bei den Smartphones waren Research in Motion mit einem Zuwachs von 6,6 Prozentpunkten auf 19,9 Prozent und Apple mit einer Verdoppelung des Marktanteils auf 10,8 Prozent. Nokia bleibt auch hier mit 41,2 Prozent unangefochtener Marktführer, musste aber 3,9 Prozentpunkte an die Konkurrenz abgeben. Der Erfolg von RIM und Apple zeige deutlich, dass Services und Software heute essenziell für den Erfolg seien. Apples Onlineshop AppStore konnte etwa in nur neun Monaten rund eine Milliarde Downloads verzeichnen. Apples größte Schwäche, so Milanesi, sei dass man nur ein Produkt im Angebot habe. RIM dagegen habe ein breites Produktportfolio und dränge aggressiv mit günstigen Preisen und Prepaid-Tarifen in den Markt.

Im zweiten Halbjahr erwartet Milanesi weitere Android-Telefone, speziell von Samsung, allerdings mit anderer Benutzeroberfläche als bei den bisherigen HTC-Modellen G1 und "Magic": "Die Hersteller werden sich unterscheiden müssen." Ob der Palm Pre zu einem großen Erfolg werde, dürfte auch stark davon abhängen, ob es Palm gelingen werde viele Entwickler auf seine Seite zu ziehen. Das Problem: alle alten Programme, die früher mal für Palm-Geräte geschrieben wurden, laufen nicht mehr auf dem Pre. Die Softwarehersteller müssen also wieder bei Null anfangen. Und dann stellt sich schnell die Frage, ob man Zeit und Geld nicht doch lieber in Software für die Marktführer Nokia, RIM oder Apple investieren sollte.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%